Jede Wahlkämpferin und jeder Wahlkämpfer erlebt es: Bildung ist immer wieder ein, wenn nicht das wichtigste Thema der Landespolitik. Die Grünen müssen da ran, die CDU will Probleme lösen, die FDP fordert Wahlfreiheit und meint damit die Aufrechterhaltung des selektiven dreigliedrigen Systems aus dem vorletzten Jahrhundert. Mit Schulen, KiTas und Hochschulen wird viel Wahlkampf betrieben, Legenden gestreut und Angst gemacht. Es würde viel gespart, lautet der Vorwurf, man sei in allen Studien auf dem letzten Platz und das Bildungssystem in Berlin eine einzige Katastrophe.
Hier mal Fakten aus der OECD-Studie “Bildung auf einen Blick”, die kürzlich erschienen ist sowie aus der darauf aufbauenden Studie “Bildung in Berlin – eine Analyse im Ländervergleich”(pdf):
-Von den unter Dreijährigen besuchen 42,1 Prozent eine Kindertagesstätte (Bundesschnitt 23,1 %), von den über Dreijährigen sind es gar 94 % (Bundesschnitt 93%).
-Im vorschulischen Bereich gibt Berlin mehr als jedes andere Bundesland aus, nämlich 4145 Euro (Bundesschnitt 2779 Euro).
-Berlin steht an dritter Stelle bei den Ausgaben für Schulen pro Schüler/-in mit 6100 Euro (Bundesschnitt 5100 Euro);
-Die Stadt verfügt über ein günstiges Schüler-Lehrkräfte-Verhältnis im Primarbereich der öffentlichen Schulen mit einer Quote von 15,9, während der deutsche Mittelwert 17,6 beträgt. Ebenso im Sekundarbereich I mit 12,9, während der Bundesdurchschnitt 15,1 liegt.
-In keinem anderen Bundesland ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem Erreichen des Abiturs geringer als in Berlin.
-In Berlin besuchen 45 % der SchülerInnen eine Ganztagsschule, im Bundesschnitt sind es nur 26,9%.
-Das Studierende-Lehrkräfte-Verhältnis im universitären und Hochschulbereich ist mit einer Quote von 10,8 komfortabler als der Bundesdurchschnitt von 11,5.
-Die Studienanfängerquote liegt mit rund 55 % bundesweit an dritter Stelle über dem deutschen Durchschnitt mit 40 %, und nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 60 %;
-Berlin gibt 1,38% des Bruttinlandsprodukts für die Hochschulen aus, mehr als jedes andere Bundesland.
-Von 2005 bis 2010 wurden die Plätze für Studienanfänger von knapp 19.500 auf 28.500 erhöht.
-In keinem anderen Bundesland schließen mehr Studierende ihr Studium auch ab (83,7% in Berlin, im Bundesschnitt nur 75,5%).
In der rot-roten Regierungszeit wurde viel investiert und auch einiges reformiert – mit Erfolg. Gibts also keine Probleme? Doch natürlich. Die Ergebnisse insbesondere in der Schulbildung müssen noch besser werden. Investitionen in die Ausstattung müssen erhöht, die bisherigen Schulreformen noch besser materiell und qualitativ untersetzt, die Masterstudienplätze ausgebaut und besonders Schulen in Brennpunkten besser unterstützt werden – etwa durch kleinere Klassenstärken und besser ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Wir brauchen auch mehr Ausbildungsplätze sowie vor allem Arbeitsplätze, damit die gut Ausgebildeten hier und nicht woanders ihre Zukunft finden.
Im Berliner Bildungsbereich wollen wir auch zukünftig vieles bewegen. Nur mit Panikmache ist niemandem geholfen.
UPDATE: Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher, zieht ein positives Resumee der Bildungspolitik unter LINKER Beteiligung: “Wir haben das Tabu gebrochen.” (via Neues Deutschland).
