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21. April 2012Basiskonferenz DIE LINKE. Berlin

Respektieren! Einbeziehen! Motivieren!

Wie wollen wir neue Mitglieder gewinnen und motivieren, sich einzubringen? Wie organisieren wir Debatten, die einladen und nicht ausschließen? 

Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein gut besuchter workshop auf der Basiskonferenz. Die schriftliche Auswertung des workshops findet sich hier in den nächsten Tagen

21. April 2012Basiskonferenz DIE LINKE. Berlin

Verlaufsprotokoll Workshop Mitgliedergewinnung

Der Workshop mit 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde durch Ruben Lehnert, Sprecher des Bezirksvorstandes Neukölln, Klaus-Dieter Heiser, Wahlkampfleiter, und Moritz Wittler, AG Mitgliederbetreuung, ebenfalls Neukölln moderiert.

Ruben Lehnert verwies zu Beginn darauf, dass die LINKE neue Mitglieder gewinnen kann, will und muss.

2011 sind im Landesverband Berlin 200 Mitglieder verstorben, ihnen stehen jedoch 500 Parteiaustritte gegenüber. Das weist darauf hin, dass es Reserven bei der Betreuung und Einbindung der Mitglieder unserer Partei gibt.

Auf die Frage, was hat die anwesenden Mitglieder der Veranstaltung bewogen, Mitglied in der LINKEN zu werden, gab es folgende Antworten:

HEIDI, Tempelhof-Schöneberg: Die Linke ist Bündnispartner der Gewerkschaften,

HANS, Pankow: Die Linke ist Interessenvertreterin der Senioren und macht das in der Kommunalpolitik deutlich, antikapitalistische Ausrichtung der Politik,

ELISABETH, Tempelhof-Schöneberg: Fahrt zur KPÖ nach Graz hat sie an die Partei gebunden, außerdem konsequente Friedenspolitik, Antikapitalismus,

FRITZ, Pankow: Aus Tradition, Herkunft aus der Arbeiterschaft, soziale Gerechtigkeit,

HORST, Charlottenburg-Wilmersdorf: Sozialistische Weltanschauung,

ROSE, Lichtenberg: Soziale Gerechtigkeit und das persönliche Vorbild und Beispiel Gesine Lötzsch,

HOLGER: Alternative zum Kapitalismus, sozialistische Gesellschaft,

DAGMAR, Tempelhof-Schöneberg: Soziale Gerechtigkeit und Kampf gegen Hartz IV,

MANFRED, Pankow: Die Linke vertritt die Interessen der Arbeitenden und der Schwächsten der Gesellschaft,

PHIL, Mitte: Bewegungsorientiert gegen Neonazis, die Welt verbessern,

STEFAN, BO Gesundbrunnen: Vernetzung mit Gleichgesinnten,

MARTIN, Parteivorstand: Solidarität und Friedenspolitik,

FRANK, Betriebe und Gewerkschaft: Gegenblock zum Kapitalismus

SOPHIE, (Nichtmitglied) Solid: Tradition in der Familie, Jugendverband, Möglichkeit der organisierten politischen Bildung,

SASCHA, Jugendorganisation, Schnittstelle zwischen sozialen Bewegungen und Parlamenten,

HANS-PETER, BO Kreuzberg: Maifest, Bundestagswahlkampf, Atmosphäre in der BO anziehend,

MARITA, Tempelhof-Schöneberg, Sprecherin LAG Hartz IV: Nicht allein gegen Ausgrenzung kämpfen, Hilfe zur Selbsthilfe bei der LINKEN gefunden,

BEATE, Reinickendorf: Soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen Hartz IV,

RAINER, Köpenick: Demokratischer Sozialismus, Antikapitalismus,

VICTOR GROSSMAN: Gegen Nazis, gegen Kapitalismus, für Kultur auf allen
Ebenen, für Internationalismus,

JÜRGEN, Lichtenberg: Friedenspolitik,

WOLFGANG, Lichtenberg: Gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus

STEFANIE, Neukölln: Systemkritik durch die LINKE ,

MARTINA, Marzahn-Hellersdorf: Nicht nur meckern, selbst was gegen Hartz IV tun,

GEORG, Marzahn-Hellersdorf: Kapitalismuskritik,

OLAF: Ich war schon immer ein LINKER

NICO, Jugend-BO Streetfighters, Mitte: Linke Aktionen, gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit,

HERBERT, Marzahn-Hellersdorf: Wir sind eine Kümmererpartei, wir sollten eine Klassenpartei sein,

HERBERT, Lichtenberg: Antikriegspartei, antifaschistische Partei,

TOBIAS , Mitte: Jugendarbeit, Selbstorganisation,

CHRISTA, Lichtenberg: Gerechtigkeit, Ehrlichkeit,

Resümee Klaus-Dieter Heiser: Die Parteimitgliedschaft ist nicht von den persönlichen Biografien zu trennen. Zitat aus dem Parteiprogramm, Seite 13: DIE LINKE ist eine "Einladung an alle Menschen, die eine andere Politik und eine bessere Welt wollen, die für Freiheit und Gleichheit, für Emanzipation, soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität, Frieden und Ökologie eintreten." Das stelle hohe Anforderungen an unsere politische Kultur:
Erstens, die Entwicklung unserer Willkommenskultur (persönliche Gespräche über Interessen, Ermunterung zu Aktivitäten, mitnehmen zu Veranstaltungen und Aktionen, "Erlebnisse" organisieren, der Einzelne als Teil des Ganzen.)
Zweitens an unsere Diskussions- und Mitentscheidungskultur (zu Wort kommen lassen, Theorie und Praxis - Bildung und Aktion - politische Bildungsmaßnahmen und Projektgruppen, Koordinierungsstrukturen/-verantwortlichkeiten in den Basisorganisationen, Kommunikation im Bezirksverband weiter entwickeln).
Drittens an unsere Aktionskultur.
Zu allen drei Punkte gehören:
- Glaubwürdigkeit
- Kompetenz
- Zuverlässigkeit.
Solidarität und kulturvoller Umgang miteinander müssen in und für die Partei ein stärkeres Gewicht bekommen.

Von einem Teilnehmer wird widersprochen, dass das Wunschdenken sei, so hat er die Partei nicht erlebt, es gäbe in der Partei Zuschreibungen, die man im Netz nachlesen könne, "Betonköpfe, Stalinisten, Ewiggestrige". Was macht denn das für einen Eindruck auf Nichtmitglieder?

Ruben Lehnert benennt am fiktiven Beispiel "Doris" den Umgang mit Neumitgliedern:

A) Sie erhält bei den LINKEN eine Hartz IV Beratung, tritt ein und steht schon in der nächsten Woche mit den anderen vor dem Jobcenter.
B) Sie tritt online ein, nichts passiert, nach sechs Wochen ist sie wieder weg.

Aus Oberschöneweide wird das Beispiel geschildert, dass sich nach einem Interneteintritt sofort die Ortsgruppe meldet, die Bezirkszeitung wird verschickt, auch Einladungen zu den nächsten Veranstaltungen.

Nicht alle wollen aktiv werden, das bekommt man aber schnell im persönlichen Gespräch mit. Junge Mitglieder, die man in "normale" BO schickt kommen meist nicht wieder, das ist nicht ihre Erlebniswelt.

Heidi Kloor, Elisabeth Wissel und Norbert Seichter schildern für Tempelhof-Schöneberg bewährte Formen der Kontaktaufnahme und Einbeziehung von Neumitgliedern. Bei persönlichen Eintritten in der Geschäftsstelle ist der Erstkontakt sehr wichtig, da gibt es ein Gespräch, Motive, Interessen werden hinterfragt, Hinweise zur Struktur der BO und Arbeitskreise werden gegeben, das sind politische Gespräche, die Einladung für die nächsten Veranstaltungen erfolgt direkt und verbindlich.
Bei Eintritten über das Netz ist die schnelle Kontaktaufnahme wichtig, dann die Berücksichtigung bei der monatlichen Verschickung der Bezirkszeitung, des Mitgliederrundbriefes, der Einladungen, der Weiterleitung von Informationen über den Mailverteiler.

Aber das ersetzt nicht den persönlichen Kontakt. Bewährt haben sich seit vielen Jahren regelmäßige Neumitgliedertreffen, zu denen der Bezirksvorsitzende einlädt, an denen auch der/die Bezirksverordneten teilnehmen. Neueintritte werden so über einen Zeitraum von einem Jahr betreut.
Das sind keine trockenen Parteigespräche. Neumitgliedertreffen beginnen mit z.B. einem Frühstück, werden verbunden mit anschließender Teilnahme an Demonstrationen, Theaterbesuchen, Fahrten.

Auch hier ist es so, dass man akzeptieren muss, wenn ein Neumitglied durch Belastung im Studium oder anderes nicht aktiv werden kann oder will.Jede und Jeder muss die Möglichkeit haben, sich nach einer Information, was es alles gibt, zu entscheiden. Viele engagieren sich auch außerhalb des Bezirkes in LAG, Initiativen, Vereinen, Verbänden und Kiezinitiativen etc. Das muß man nicht nur wissen, sondern wie es in einigen Fällen bei uns ist, konstruktiv für die politische Arbeit in der Partei nutzen. Besondere Zeiten sind Wahlkämpfe, hier gibt es die meisten Neueintritte, hier gibt es die meisten Möglichkeiten Neumitglieder in den praktischen Wahlkampf einzubeziehen. Aber auch bei uns ist es so, dass nicht alle bleiben. Wir haben große Anstrengungen unternommen, die Kultur im Umgang untereinander zu verbessern. Besonders junge Mitglieder werden durch die Schärfe politischer Auseinandersetzungen und persönliche Anfeindungen abgestoßen.

Da hat es im Bezirk Tempelhof-Schöneberg einen langen Klärungsprozess gegeben. Es müssen Maßstäbe aufgestellt und eingehalten werden. Es ist bezeichnend, dass die Mehrzahl der aktiven Mitglieder, einschließlich der Mitglieder des Bezirksvorstandes in den letzten 3-4 Jahren in die Partei eingetreten sind.

Marita Fillipowski ergänzt, dass es für sie wichtig war, an die Hand genommen zu werden, die Strukturen der Partei erklärt zu bekommen, Hilfe bei der praktischen Lösung von Aufgaben zu erhalten.

Die Rolle von Kunst und Literatur wird thematisiert, eine Genossin sucht unter den LINKEN Gleichgesinnte für Literatur und Schreibende.

Es wird in der weiteren Debatte darauf verwiesen, dass es große Unterschiede in den einzelnen Bo und auch zwischen Ost und West gibt.

In Weißensee gab es eine solche Begegnung. Da wurde sehr große Unterschiede deutlich, die nicht nur mit der Tatsache verbunden waren, dass man im Osten viel stärker kommunalpolitisch verankert ist. Es wurde der Wunsch geäußert, eine Übersicht zu erhalten, wo sich die einzelnen Mitglieder außerhalb der Partei noch engagieren.

Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Landesebene die Basis überhaupt für Konzepte braucht, z.B. für den Wahlkampf. Gibt es eine Arroganz der Leitungsebenen?

Dagmar Krebs behauptet, dass sich der Landesvorstand einem Konfliktmanagement in Tempelhof-Schöneberg verweigert hätte.

Ruben Lehnert schildert, dass der Vorstand und er als Sprecher durch die vielen Neueintritte überfordert war, mit allen Gespräche zu führen. Sie haben dann eine Arbeitsgruppe gebildet.

Alexandra von solid schildert, dass der Jugendverband ähnliche Probleme wie die Partei hat, Mitglieder zu gewinnen und zu halten. Für sie ist das Schlüsselerlebnis wichtig. Dazu zählen das Pfingstcamp, die Winterakademie, politische Bildung, inhaltliche Seminare. Berlin hat als Großstadt viele inhaltliche Angebote und Strukturen für junge Leute, es ist schwer, als Jugendverband damit zu konkurrieren.

Sie möchten als Jugendverband feste Ansprechpartner in der Partei haben, die Schriftform mit Leitungen ist unattraktiv.

Klaus-Dieter Heiser nennt zum Ende der Verständigung offene Probleme/Empfehlungen:

  • Ost/West Bo sollten sich regelmäßig treffen und austauschen, es gibt unterschiedliche Erfahrungen und Bedingungen für die politische Arbeit.
  • Wer ist wo aktiv, Volkssolidarität, Mieterverein, Sport, eine bessere Vernetzung ist erforderlich.
  • Die Versammlungskultur ist zu verbessern, die Quotierung zu beachten, Menschen mit Behinderungen, Migrantinnen und Migranten stärker einbeziehen.
  • Aufgaben der Partei und Interessen der Einzelnen sind besser in Einklang zu bringen.
  • Betreuung der Neumitglieder überall durch Arbeitsgruppen in den Bezirken.
  • Die politische Bildung muss einen größeren Stellenwert erhalten.
  • Die Transparenz über die Strukturen der Partei ist zu verbessern. Wie funktioniert linke Politik, wie funktioniert die Partei?

Vor der Pause nach dem ersten Teil des Workshops wurden Bilder von Aktionen der LINKEN aus dem Bezirk Neukölln gezeigt und von Moritz Wittler kommentiert. Vor Beginn der Aktion zumeist ein gemeinsames Frühstück, Verteilung der Aufgaben, dann die Aktion. Zumeist junge Leute, unkonventionell, lebendig und bunt.

(Den Workshop fasste Norbert Seichter zusammen, ergänzt durch Klaus-Dieter Heiser.)