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4. Juni 2014LAG Linke Frauen

Protokoll

Für das Protokoll verantwortlich: Bärbel Holzheuer

Thema :

Care-Arbeit und Frauenarbeit in Berlin. Vorbereitung für den Landesparteitag zu »Arbeit« (Zukunftsdialog)

Referentinnen von der Rosa Luxemburg Stiftung:

  • Barbara Fried
    leitende Redakteurin der Zeitschrift LUXEMBURG
  • Katharina Pühl
    wissensch. Referentin für feministische Gesellschaft- und Kapitalismusanalyse

Moderation: Bärbel Holzheuer

Top 1. Care

Barbara Fried und Katharina Pühl wurden gebeten, zu folgenden Punkten einen Input zu geben:
- Worum geht es in der Care-Debatte?
- Wie ist der aktuelle Debattenstand?
- Verknüpfen sich – und wenn ja, wie - theoretische Debatte, Bewegung (»Care Revolution«) und DIE LINKE?
- Wie kann und soll es in der Debatte und in der politischen Praxis weitergehen?

Die Referentinnen erläuterten die angesprochenen Punkte aus einer kritischen, feministisch-marxistischen Sicht und dem Ansatz der Rosa Luxemburg Stiftung a) kapitalismuskritisch und b) systemverändernd zu wirken und c) Menschen zusammenführen, Bündnisse zu bauen, Netze und Knoten zu schaffen zwischen feministischen und anderen Feldern und dabei an Alltagsfragen anzuknüpfen.
Beispiele sind »Care Revolution« und der Kampf und die Erfolge der Pflege-Beschäftigten an der Charité, die auch für Pflegequoten und für ein besseres Verhältnis zwischen zu Versorgenden und Arbeitenden gestreikt haben. So haben sie die Anliegen der Patienten zu ihren gemacht.
In der Care-Debatte geht es um die Anerkennung, Aufwertung und bessere Bezahlung der – vor allem von Frauen – geleisteten bezahlten und unbezahlten Betreuungs-, Sorge-, Pflege- und Beziehungsarbeit. Viele Forderungen müssen mit gewerkschaftlichem Druck auf politischer Ebene umgesetzt werden. Ein Stichwort ist Care-Migration.

Aber der rls und in der Linken Debatte es geht um mehr.
Wir befinden uns in einer Care-Krise nach 30 Jahren Abbau von öffentlichen Leistungen und der Rückverlagerung der Verantwortung ins Private. Das muss im Mittelpunkt der Debatten stehen. Und es geht um ein anderes Arbeiten, wofür das Ganze der Arbeit in den Blick genommen werden muss, außer Erwerbsarbeit auch die reproduktive Arbeit, Sorgearbeit, gesellschaftliches Engagement - und »Zeit« (Frigga Haug). Es geht um ein anderes Wirtschaften, sozialökologisch und geschlechtergerecht. Dies alles muss in die Care-Debatte und in Care-Forderungen eingehen.

Zurzeit gibt es eine Explosion von Diskussionen und von Themen und Abenden zu Geschlechterfragen. Die Vernetzungsveranstaltung in der Friedrich-Ebert-Stiftung war ein Aufschlag. Die rls will Schnittstellen finden, auch mit Gewerkschaften (positives Beispiel: Der Umverteilungskongress). Sie will mit den Kritikern der kapitalistischen Gesellschaft ins Gespräch kommen: Bei »Care Revolution« ging es um Kritik an der Care-Frage, um Ökonomie, um sozial-ökologische Fragen.

Der Parteivorstand der LINKEN plant eine Kampagne »Prekär leben und arbeiten«. Dabei wären Frauenarbeit und Care-Krise ein wichtiger Punkt – wie auch für den Berliner Landesparteitag zu »Arbeit«

Diskussionsschwerpunkte:

  • Kritik an der sehr theoretischen Care-Debatte, dafür lieber Unterstützung von umsetzbaren Forderungen, wie die nach besserer Bezahlung (fair pay) , Mindestlohn und bessere Arbeitsbedingungen.
  • Lieber »Gute Arbeit« als Umverteilung und Arbeitszeitverkürzung!?
  • Wie kann man mit Bildungsarbeit die Veränderung des Mittelschichtsbewußtseins erreichen, wenn es nur um bessere Gegenleistung für gezahlte Steuern geht oder die Menschen sich gar nicht (mehr) engagieren oder interessieren? 
  • Wie kann man das Bewußtsein von Frauen verändern? Aber auch das von Männern?
  • Wie können die Debatten/Positionen in Pflege-/Sorge-Einrichtungen/Organisationen und in Gewerkschaften beeinflusst werden?

Zusammenfassung:
Die Diskussion war ein Einstieg der LAG in das Thema »Arbeit«. Sie wird im September mit »Gute Arbeit« fortgesetzt.

Verabredungen:
rls und LAG arbeiten künftig enger zusammen, insbes. bezügl. konkreter Themen und Anlässe wie z.B. den Berliner Themenparteitag zu »Arbeit« und der geplanten gemeinsamen Konferenz rls/LINKE in 2015. Stärkere Informationen über Veranstaltungen und Publikationen der rls.
Kontakt: Sylvia Müller
 

Top 2: Organisatorisches:

Heidi Bothur informiert
1. über eine mit Tiina F. geplante Ausstellung von russischen Frauen. Dazu wird sie das Gespräch mit Wolfgang Brauer suchen
2. über ihren Besuch beim Anti-Lebensschützer-Bündnis. Es wird zwei Arbeitsgruppen geben: Öffentlichkeitsarbeit und Organisation. Für die Veranstaltung am 20.9. sollen Flugblätter zu den Entwicklungen in verschiedenen Ländern gemacht werden. Zuarbeit kommt von Bärbel. Kann auch der Auslandsbereich der rls etwas beitragen?

Bärbel Holzheuer informiert
zum aktuellen Stand der EL-Sommeruni: Anmeldeschluss war der 31.5. Noch gibt es keine Klarheit darüber, wie die Teilnahme von interessierten Tagesgästen geregelt wird, was gerade für unsere LAG wichtig ist. Der Entwurf des SU-Programms ist heute auf die Seite der Sommeruni gestellt worden. Allerdings nur in Englisch. Der deutsche Text folgt.