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4. Juni 2017IG Nahverkehr

Verkehrserschließung der Neubaugebiete Wasserstadt Oberhavel und Gartenfeld

In der Koalitionsvereinbarung für 2016 bis 2021 heißt es (auf den Seiten 47 und 63): »Für neue Stadtquartiere muss eine leistungsfähige ÖPNV-Erschließung gewährleistet sein.« … »wird die Koalition sicherstellen, dass bei der Aufstellung von Bebauungsplänen … die Anforderungen durch einen Straßenbahnbetrieb berücksichtigt werden.«

Grundsätzliche Aussagen dazu finden sich im »Leitbild Moblität in Berlin« vom Mai 2015, insbesondere in den Kapiteln »Was wir wollen« und »Verkehrsvermindernde Stadtplanung«.
 

Beschreibung der Entwicklungsgebiete

Die Wasserstadt Oberhavel im Bezirk Spandau besteht aus Wohngebieten beiderseits der Havel, westlich zum Ortsteil Hakenfelde, östlich zum Ortsteil Haselhorst gehörend. Geschätzt 70 bis 80 % der Flächen sind bereits bebaut, überwiegend mit 4- und 6-Geschossern, nördlich der Rhenaniastraße in Haselhorst auch mit 2- und 3-Geschossern. Konzentrierter Wohnungsbau findet zur Zeit in Hakenfelde im Winkel zwischen Mertens- und Goltzstraße statt. In Haselhorst sind beiderseits der Daumstraße noch Brachflächen erkennbar, die bebaut werden sollen.

Das Entwicklungsgebiet Gartenfeld gehört zum Ortsteil Siemensstadt und beinhaltet die Insel im Dreieck zwischen dem Alten und dem Neuen Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Derzeit ist es Betriebsgelände der Firma TRIKO mit Lagerhallen. Gemäß Entwurf zur Änderung des Flächennutzungsplans soll die »gewerbliche Baufläche umstrukturiert und Wohnbaufläche geschaffen« werden. Eine überörtliche Hauptstraße und eine Bahntrasse sollen das Gebiet parallel zum Neuen Spandauer Schifffahrtskanal etwa in der Mitte von Südost nach Nordwest durchqueren und am Westrand den Alten Spandauer Schifffahrtskanal überqueren.

Die beiden Entwicklungsgebiete grenzen aneinander. Die betroffenen Ortsteile weisen gegenwärtig folgende Einwohnerzahlen auf:

  • Haselhorst
    16 000 (Anteil Wasserstadt nicht gesondert ausgewiesen)
  • Hakenfelde
    28 000 (Anteil Wasserstadt nicht gesondert ausgewiesen)
  • Siemensstadt
    13 000 (einschließlich Gartenfeld).

Mit dem fortschreitenden Wohnungsbau werden die Einwohnerzahl um 15 000 bis 20 000 und folglich die Mobilitätsbedürfnisse wachsen.

Derzeitige Verkehrsanbindung

Beide Entwicklungsgebiete sind derzeit nur durch Buslinien erschlossen. In der Reihenfolge ihrer Bedeutung sind das:

  • Bus 236: U Haselhorst – Wasserstadt Haselhorst – Wasserstadt Hakenfelde – S Spandau – Wilhelmstadt (10-min-Takt, sonntags und in der Schwachverkehrszeit 20-min-Takt)
  • Bus 139: S Messe Nord – U Siemensdamm – U Rohrdamm – U Paulsternstraße – Wasserstadt Haselhorst – Wasserstadt Hakenfelde – Hakenfelde Nord Werderstraße (20-min-Takt, in der Hauptverkehrszeit 10 min-Takt ab U Paulsternstraße, in der Schwachverkehrszeit generell ab U Paulsternstraße)
  • Bus X33: S Spandau – U Haselhorst – Gartenfeld (eine Haltestelle) – U Holzhauser Straße – Wittenau – Märkisches Viertel (10-min-Takt, sonntags 20-min-Takt)
  • Bus 133: U Haselhorst – Gartenfeld (eine Haltestelle) - U Holzhauser Straße – Tegel – Heiligensee (20-min-Takt)
  • Bus 136: S Hennigsdorf – Hakenfelde (tangiert die Wasserstadt) – S Spandau – Wilhelmstadt (Hakenfelde – S Spandau 10-min-Takt, in der Hauptverkehrszeit 5 min-Takt, in der Schwachverkehrszeit und sonntags 20-min-Takt).

Die Innenstadt ist nur mit einmal Umsteigen in Spandau in die S-Bahn oder in Holzhauser Straße in die U6 erreichbar, mit zweimal Umsteigen auch über Stationen der U7 oder der Ring-S-Bahn. Das Bezirkszentrum Spandau ist mit den Buslinien im wesentlichen direkt erreichbar. Aber die Busse stehen im Stau, verkehren dadurch unregelmäßig und sind oft überfüllt.

Mit steigender Einwohnerzahl erhöht sich die Notwendigkeit schnellerer und zuverlässigerer Verkehrsverbindungen ins Bezirkszentrum sowie direkter, schneller und zuverlässiger Verbindungen ins Berliner Stadtzentrum.

  • Straßenbahn

Im Straßenbahnkonzept der LINKEN und in der Koalitionsvereinbarung 2016 bis 2021 sind keine Straßenbahnstrecken zur Wasserstadt Oberhavel vorgesehen, sondern zunächst nur das Erreichen der Ausgangspunkte Bahnhof Spandau und Forschungs- und Industriegelände Tegel auf dem heutigen Flughafengelände.

Im SPD-Straßenbahnkonzept werden von diesen Ausgangspunkten weitere Strecken im Bezirk Spandau vorgeschlagen, unter anderem:

  • Bf Spandau – Altstadt Spandau – Streitstraße – Hakenfelde Nord
  • Ex-Flughafen Tegel – Gartenfeld – U Haselhorst – Altstadt Spandau
  • U Haselhorst – Wasserstadt Haselhorst – Wasserstadtbrücke Daumstraße – Wasserstadt Hakenfelde – Hakenfelde Streitstraße.

Straßenbahnlinien auf diesen Strecken sind verkehrlich sinnvoll. Mit ihnen kann das Hauptverkehrsaufkommen zwischen Spandau, Wasserstadt, Siemensstadt, Gartenfeld und Entwicklungsgebiet Ex-Flughafen Tegel abgedeckt werden. Über die Ausgangspunkte Bahnhof Spandau und Ex-Flughafen Tegel sind durchgehende Linien nach Charlottenburg, Moabit, Wedding und in die Innenstadt möglich. Die Platzverhältnisse erlauben, Straßenbahnstrecken anzulegen, etwa zur Hälfte problemlos auf eigenem Bahnkörper. Deshalb unterstützen wir dieses Straßenbahnerweiterungskonzept.

Als Zwischenlösung wäre auch denkbar, ein eigenständiges Spandauer Straßenbahnnetz zu errichten, das im zweiten Schritt mit den Strecken der Innenstadt verbunden wird.

In Richtung Innenstadt stellt die Straßenbahn allerdings nur einen Zubringer zur S-Bahn und U-Bahn dar. Mit denkbaren durchfahrenden Linien in die Innenstadt wären die Umwege über Spandau oder Ex-Flughafen Tegel zu weit und die Fahrzeiten zu lang.

  • U-Bahn

Die generellen Vorteile der Straßenbahn und die Nachteile der U-Bahn sind in unserem Konzept »Mehr Straßenbahn in Berlin!« vom Februar 2016 ausführlich dargelegt. Deshalb verfolgen wir weder U-Bahn-Planungen Richtung Ex-Flughafen Tegel noch Richtung Wasserstadt oder Gartenfeld. Zumal ein theoretisch denkbarer Abzweig von der U7 keine Direktverbindung zur Innenstadt herstellen würde und die Fahrzeiten mit der U2 recht lang wären.

  • S-Bahn

Als schnelle Direktverbindung zur Innenstadt bietet sich die Reaktivierung der Siemensbahn Jungfernheide – Gartenfeld als S-Bahn-Strecke auf der noch vorhandenen Hochbahntrasse an, und zwar mit den beiden Zwischenstationen (früher Wernerwerk und Siemensstadt). Notwendig ist der Neubau einer Ausfädelung westlich von Jungfernheide und einer Spreebrücke, da die Anbindung der Siemensbahn beim Wiederaufbau des S-Bahnrings und des Fernbahnabschnitts Moabit – Spandau nicht berücksichtigt wurde. Mit einer Linienführung über Westhafen zur im Bau befindlichen S21-Nord-Süd-Strecke erreicht man den Hauptbahnhof und den Potsdamer Platz.

Der frühere Endbahnhof Gartenfeld erschließt aber nicht die Wasserstadt. Deshalb ist die im Entwurf der Änderung des Flächennutzungsplans vorgesehene Fortsetzung der S-Bahn-Strecke durch das Entwicklungsgebiet Gartenfeld, über den Alten Spandauer Schifffahrtskanal und weiter entlang der Pohleseestraße nach Hakenfelde sinnvoll. Der Bahnhof Gartenfeld, der sich früher in Geländehöhe befand, müsste höher gelegt und die Gartenfelder Straße mit einer Brücke überquert werden. Bis über die Havel dürfte sich die kostengünstigere Hochlage verwirklichen lassen, der letzte Kilometer westlich der Havel bis zur Streitstraße in Hakenfelde müsste wahrscheinlich unterirdisch geführt werden. Mit vier Stationen (am Westrand des neuen Gewerbegebiets, in der Wasserstadt Haselhorst an der Daumstraße, westlich der Havel in der Wasserstadt Hakenfelde und an der Streitstraße) wären die beiden Entwicklungsgebiete gut erschlossen. An der Daumstraße und an der Streitstraße wäre die S-Bahn-Strecke mit der Straßenbahn verknüpft.
 

Zusammenfassung

Die derzeitige Verkehrserschließung der Wasserstadt Oberhavel und des Gewerbegebiets Gartenfeld nur mit Buslinien ist nicht zeitgemäß und reicht für die steigende Einwohnerzahl nicht aus. Zur Feinerschließung innerhalb des Bezirks Spandau und als Zubringer zu S-Bahn und U-Bahn sind mehrere Straßenbahnstrecken erforderlich. Als schnelle direkte Verbindung in die Innenstadt ist außerdem die Siemensbahn Jungfernheide – Gartenfeld als S-Bahn-Strecke zu reaktivieren und bis Hakenfelde zu verlängern.