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21. Juli 2016IG Nahverkehr

Verkehrserschließung des Märkischen Viertels

Mängel der gegenwärtigen Verkehrsanbindung

Mit S-Bahn (derzeit S1) und U8 bestehen zwar leistungsfähige Schnellbahnverbindungen ins Stadtzentrum vom Bahnhof Wittenau. Dieser liegt aber in äußerster westlicher Randlage des Märkischen Viertels. Nur ein sehr geringer Teil des Märkischen Viertels ist von dort fußläufig erreichbar, der Rest nur mit sieben Buslinien.

Das Umsteigen von der S-Bahn zu den Buslinien am Bahnhof Wittenau ist umständlich mit langem Weg, langen roten Ampelphasen und daher zeitraubend. In der Gegenrichtung sowie von und zur U-Bahn sind die Umsteigeverhältnisse gut.

Die Straßenbahn M1, die über Pankow und Schönhauser Allee ins Stadtzentrum führt, endet auf Rosenthaler Gebiet am äußersten östlichen Rand des Märkischen Viertels, fährt nur im 20-Minuten-Takt und ist nur von einem sehr geringen Teil der Bewohner fußläufig erreichbar, sonst auch nur mit drei Buslinien.

Die Station Rosenthal der Heidekrautbahn ist nicht in Betrieb.

Ziele einer besseren Verkehrserschließung

Ziele einer besseren Verkehrserschließung sind:

  • den umweltschädlichen Busverkehr in den Hauptströmen zu ersetzen
  • die notwendigen Umsteigevorgänge bei Fahrten Richtung Innenstadt zu reduzieren und komfortabler zu gestalten
  • die Fahrzeiten Richtung Innenstadt zu verkürzen
  • die Bezirkszentren Reinickendorf, Pankow und Wedding/Gesundbrunnen schnell, umsteigefrei und umweltverträglich zu erreichen.

Bisherige Planung

Seit dem Bau des Märkischen Viertels in den 1960er Jahren war vorgesehen, wurde zurückgestellt und soll neu untersucht werden, die U8 um zwei Stationen zu verlängern: zunächst nach Osten unter dem Wilhelmsruher Damm bis zu einer Station am Märkischen Zentrum, dann nach Norden bis zur Endstation an der Nordflanke des Senftenberger Rings. Die Feinerschließung soll weiterhin nur mit Bussen geschehen.

Vorteile:

  • Ein Teil des Märkischen Viertels käme in den fußläufigen Einzugsbereich einer Schnellbahn, mit der Teile der Innenstadt (Alexanderplatz) umsteigefrei und andere Teile (Friedrichstraße, Potsdamer Platz) mit einmaligem Umstieg erreichbar sind.
  • Der Busverkehrs könnte geringfügig reduziert werden.

Der fußläufige Einzugsbereich ließe sich vergrößern, wenn auf dem Wilhelmsruher Damm zwei statt eine Zwischenstation gebaut werden, etwa an der Straßenkreuzung Eichhorster Weg und östlich des Märkischen Zentrums am Beginn des Senftenberger Rings.

Nachteile:

  • Trotz verhältnismäßig einfacher baulicher Verhältnisse sind Bau und Unterhaltung der U-Bahn-Strecke teuer.
  • Planung und Projektierung binden Personalkapazitäten, die zum Straßenbahnausbau dringend benötigt werden.
  • Mit einer Realisierungszeit von mindestens 20 Jahren muss gerechnet werden.
  • Weiterhin sind mehrere Buslinien zur Feinerschließung notwendig.
  • Die Verkehrsbeziehungen mit Rosenthal, Niederschönhausen und Pankow werden nicht verbessert.
  • Ein Lückenschluss im Schnellbahnnetz zur künftigen Station der Heidekrautbahn in Rosenthal wird nicht erreicht, auch nicht der Anschluss an die Straßenbahn M1.

Kosten und Realisierungszeit ließen sich leicht reduzieren, wenn nur etwa 1 km unter dem Wilhelmsruher Damm bis zur Station Märkisches Viertel gebaut wird. Dann verbleibt aber mehr notwendiger Busverkehr.

Anbindung mit der Straßenbahn

Um das Märkische Viertel mit der Straßenbahn zu erschließen, bietet sich an, die M1 von Rosenthal aus zu verlängern. Endpunkt der 1. Baustufe muss der S- und U-Bahnhof Wittenau sein, damit dort zur schnellsten Innenstadtverbindung, der S-Bahn, umgestiegen werden kann und außerdem zur U8. Die Strecke muss am Märkischen Zentrum, dem geschäftlichen, kulturellen und verwaltungstechnischen Konzentrationspunkt, vorbeiführen.

Gleichzeitig stellt die so verlängerte M1 selbst eine Direktverbindung zur Innenstadt über Pankow und die Schönhauser Allee her, allerdings mit etwa 35 Minuten Fahrzeit (Märkisches Zentrum – Hackescher Markt mit Vorrangschaltungen und durchgehender Zweigleisigkeit innerhalb Rosenthals) gegenüber 25 Minuten (Märkisches Zentrum – Alexanderplatz) mit einer verlängerten U8. Mit Umstieg in Pankow zur U2 wären 35 Minuten bis zum Alexanderplatz erreichbar, mit Umstieg zur S-Bahn in Wittenau 30 Minuten bis Friedrichstraße.

Die Teilstrecke Niederschönhausen – Rosenthal – Wittenau ist der nördliche Bestandteil des notwendigen äußeren Straßenbahnrings, der im Nordosten von Weißensee über Pankow und im Nordwesten über Kurt-Schumacher-Platz zum geplanten Forschungs- und Industriegelände Tegel führen soll.

Die etwa kreisförmig innerhalb des Märkischen Viertels angeordneten Wohngebiete erschweren eine Streckenführung mit gebündelten Verkehrsströmen. Deshalb müssen für die Streckenführung innerhalb des Märkischen Viertels mehrere Varianten untersucht werden. Denkbar sind:

Variante 1
Von Rosenthal den Wilhelmsruher Damm auf ganzer Länge bis zum Bahnhof Wittenau. Das ist die kürzeste Verbindung und die schnellste zum Erreichen der Innenstadt über Pankow. Die nördlichen Teile des Märkischen Viertels werden damit aber nicht angebunden.

Variante 2
Von Rosenthal aus die Quickborner Straße, durch Grünanlagen zum Senftenberger Ring, dessen Nordflanke und Westflanke entlang zum Märkischen Zentrum, weiter auf dem Wilhelmsruher Damm bis zum Bahnhof Wittenau. Damit wird der recht große nördliche Teil des Viertels erschlossen, allerdings zulasten des weniger großen südöstlichen Teils. Für einen Teil der Fahrgäste verlängern sich die Fahrzeiten, ein anderer Teil muss nicht mehr umsteigen.

Variante 3
Von Rosenthal den Wilhelmsruher Damm entlang bis zur Treuenbrietzener Straße, diese nach Norden, dann über die Wesendorfer Straße, die Nord- und Westflanke des Senftenberger Rings, westlich am Märkischen Zentrum vorbei über den Wilhelmsruher Damm zum Bahnhof Wittenau. Damit werden sowohl der südöstliche Teil als auch der nördliche Teil des Viertels erschlossen. Anstelle der Straßenzüge können auch seitlich liegende Grünanlagen zwischen den Wohnblöcken genutzt werden.

Variante 4
Wie Variante 1 mit einer zusätzlichen Schleife auf der gesamten Länge des Senftenberger Rings. Erschließungswirkung etwa wie Variante 3, aber mit größerer Streckenlänge. Eine Linie könnte die Schleife auslassen und direkt zum Bahnhof Wittenau fahren.

Nachteil aller vorstehenden Varianten ist, dass sie den nordwestlichen Teil an der Finsterwalder Straße und am Eichhorster Weg nur tangieren.

Variante 5
beseitigt diesen Nachteil und bietet etwa gleiche Vorteile wie die Varianten 2 bis 4. Den Wilhelmsruher Damm entlang bis zum Märkischen Zentrum, dann den Senftenberger Ring an seiner Ostflanke und Nordflanke entlang, zur Finsterwalder Straße, Verschwenkung zum Zulandgraben, weiter über Finsterwalder Straße zum Bahnhof Wittenau. So werden alle Wohngebiete und das Zentrum erreicht, allerdings mit verlängerten Fahrzeiten. Der Wilhelmsruher Damm zwischen Finsterwalder Straße und Senftenberger Ring bleibt zunächst straßenbahnlos und wird so für eine eventuelle spätere U-Bahn-Verlängerung freigehalten.

Die niveaugleiche Kreuzung der Straßenbahn auf dem Wilhelmsruher Damm (oder der Quickborner Straße) mit der Heidekrautbahn ist technisch und rechtlich möglich, auch im Falle der späteren Elektrifizierung der Heidekrautbahn. Besser wäre allerdings die niveaufreie Kreuzung (Absenkung der Straße), die möglicherweise wegen des inzwischen starken Straßenverkehrs ohnehin sinnvoll ist und diskutiert wird.

Vorteile aller Straßenbahn-Varianten gegenüber der U-Bahn

  • Erheblich größere Feinerschließung.
  • Diese kann mit etwa einem Viertel der Baukosten erreicht werden (nicht ein Zehntel wegen der größeren Streckenlänge).
  • Der Busverkehr kann stark reduziert werden. Übrig bleibt hierfür der Dannenwalder Weg mit geringerer Verkehrsnachfrage.
  • Bei politischem Willen ist eine deutlich kürzere Planungs- und Bauzeit möglich. Der umweltpolitische und wirtschaftliche Nutzen tritt wesentlich früher ein.
  • Fahrgastfreundlicher wegen der ebenerdigen und damit barrierefreien, geradlinigen und einsehbaren Zugänge und der kurzen Zu- und Abgangswege.
  • Die Verkehrsknotenpunkte Bahnhof Pankow, künftige Station Rosenthal der Heidekrautbahn und Bahnhof Wittenau sind untereinander und mit dem Märkischen Viertel verbunden.

Heidekrautbahn

Die Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn von Basdorf nach Wilhelmsruh und der Nordbahn weiter bis Gesundbrunnen nutzt auch dem Märkischen Viertel. Dessen östliche Randgebiete wären mit den Stationen Rosenthal/Wilhelmsruher Damm und Pankow Park im Industriegelände von ehemals Bergmann-Borsig mindestens mit Gesundbrunnen verbunden. Entgegen den aktuellen Planungen ist ein ganztägiger 30-Minuten-Takt erforderlich und eine Linienverlängerung durch den Nord-Süd-Tunnel mit Akkufahrzeugen.