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19. Juli 2017IG Nahverkehr

Verkehrserschließung des Neubaugebiets Heidestraße

In der Koalitionsvereinbarung für 2016 bis 2021 heißt es (auf den Seiten 47 und 63): »Für neue Stadtquartiere muss eine leistungsfähige ÖPNV-Erschließung gewährleistet sein. … wird die Koalition sicherstellen, dass bei der Aufstellung von Bebauungsplänen … die Anforderungen durch einen Straßenbahnbetrieb berücksichtigt werden.«

Grundsätzliche Aussagen dazu finden sich im »Leitbild Moblität in Berlin« vom Mai 2015, insbesondere in den Kapiteln »Was wir wollen« und »Verkehrsvermindernde Stadtplanung«.
 

Beschreibung des Gebiets

Das Neubaugebiet Heidestraße, auch Europacity genannt, gehört zum Ortsteil Moabit im Bezirk Mitte.

Das Kerngebiet wird begrenzt durch die Eisenbahn-Nord-Süd-Strecken im Westen, die Perleberger Straße im Norden, den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal im Osten und die Invalidenstraße im Süden. Im weiteren Sinne können Verdichtungsbauten zwischen der Lehrter Straße und den Eisenbahnstrecken sowie zwischen Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und Scharnhorststraße dazugerechnet werden.

Geplant ist eine Mischnutzung aus Arbeiten, Wohnen, Einkaufen, Kunst, Kultur und Freizeit. Ein Teil der Neubauten ist im Bau, andere Teilflächen noch Brachland.

In Nord-Süd-Richtung mitten durch das Neubaugebiet verläuft die Heidestraße, eine vierspurige überörtliche Bundesstraße; sie stellt die nördliche Fortsetzung des Straßentunnels unter dem Tiergarten dar. Auch seitlich davon ist Straßenneubau in Form von »Sammelstraßen« und »Parkbuchten« zum Autoabstellen geplant. Die Behauptung des Senats, dass auf diese Weise ein »kompaktes, nachhaltiges und klimagerechtes Quartier der Zukunft« entstehen wird, kann mit dieser Planung nicht erfüllt werden. Im Gegenteil: hier wird eine bisherige Frischluftschneise zugebaut. Ein verlärmtes, luftverschmutztes Neubaugebiet entsteht. Lediglich die Wohnungen direkt am Kanal und die geplante Uferpromenade lassen eine erträgliche Aufenthaltsqualität erwarten.

Derzeitige Verkehrsanbindung

Hauptbahnhof in 0,2 km Entfernung (am Rand) bis 1,0 km (in der Mitte), S-Bf Westhafen in 1,0 km bis 1,5 km, U-Bf Reinickendorfer Straße in 0,7 km bis 1,2 km, U-Bf Naturkundemuseum in 1,0 km bis 1,7 km.

Am Hauptbahnhof tangieren die Straßenbahn-Linien M5, M8 und M10 das Neubaugebiet.

Bus 142: Mo bis Sa 20-min-Takt vom Ostbahnhof über Oranienburger Tor und Hauptbahnhof die Heidestraße entlang mit 3 Haltestellen zu den U-Bahn-Stationen Amrumer Straße und Leopoldplatz.

Bus 123: 20-min-Takt vom Hauptbahnhof die Lehrter Straße entlang zum U-Bf Turmstraße und weiter Richtung Siemensstadt.

Weitere Buslinien tangieren das Neubaugebiet an der Perleberger Straße (M27) oder am Hauptbahnhof (120, 147, 245, M41, M85).

Künftige Verkehrserschließung

Die größte Chance für eine Verbesserung der öffentlichen Verkehrsverbindungen ist der S-Bf Perleberger Brücke. Dieser war im Projekt S21 zunächst geplant, wurde aber zur Kostensenkung wieder gestrichen. Er würde die fußläufige Entfernung zum nördlichen Teil des Neubaugebiets auf 0,1 bis 0,7 km verkürzen. Auch für das Altbaugebiet Nordost-Moabit westlich der Lehrter Straße würde er die Fußwege erheblich verkürzen. Zwar wären im ersten Bauabschnitt nur der Hauptbahnhof und der nördliche S-Bahn-Ring erreichbar, aber im 2. Bauabschnitt auch der Potsdamer Platz und die südlichen Stadtteile.

Die S-Bahn-Station Perleberger Brücke muss wieder in die Planung und Ausführung aufgenommen werden, denn es ist widersinnig, eine neue S-Bahn-Strecke zu bauen und dicht besiedeltes Gebiet ohne Halt zu durchfahren. Da sich das Vorhaben wegen bautechnischer Probleme ohnehin verzögert, muss es gelingen, die Station nicht erst nachträglich einzufügen, sondern gleich mitzubauen.

Der Takt der Buslinie 142 müsste zur Feinerschließung verdichtet und in die Schwachverkehrszeiten ausgedehnt werden, weil die Fußwege zu den S- und U-Bahn-Stationen nicht jedem zumutbar sind.

Die Koalitionsvereinbarung 2016 bis 2021 sieht in Übereinstimmung mit dem Straßenbahnkonzept der LINKEN eine Straßenbahnstrecke von Pankow über Wollankstraße, Fennstraße und Perleberger Straße zum U-Bf Turmstraße vor. Die Vorplanung soll in dieser Wahlperiode begonnen werden mit dem Ziel des Baubeginns spätestens 2026. Diese Strecke würde das Neubaugebiet am nördlichen Rand tangieren.
 

Zusammenfassung

Das an der Heidestraße entstehende Wohngebiet ist vor allem autogerecht geplant. Mit dem Bau der zeitweilig gestrichenen S-Bahn-Station Perleberger Brücke im Rahmen des Projekts S21 muss der Anteil des öffentlichen Verkehrs erhöht werden.