DIE LINKE. Berlin


8. August 2013LAG selbstbestimmte Behindertenpolitik

Rollstuhl- und Rollator-Marathon

Vielen Dank an Christian. Wir haben als Vertreter der LAG »Selbstbestimmte Behindertenpolitik« gut zusammengearbeitet und ich freue mich auf die nächste Aktion mit ihm am 29.08.2013 im Rahmen der Wahl- und Informationsveranstaltung des Blauen Kamels in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin am 29. August 2013 in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36 in 10435 Berlin.

Eindrücke:

Wir konnten bei der Aktion gut mit Bürgern aus Marienfelde ins Gespräch kommen und Erfahrungen austauschen. Diese Gespräche mussten aber leider aus Zeitgründen unterbrochen werden, da wir zwischen 12.00 - 14.00 Uhr natürlich auch die geplanten angesteuerten öffentlichen Einrichtungen, Läden und Praxen erreichen wollten. Außerdem achtete die uns begleitende Polizei aus Gründen der Sicherheit darauf, dass wir als Aktionsgruppe zusammenblieben und keiner - beispielsweise beim Überqueren der Fahrbahn – durch Gespräche mit gesprächsfreudigen Anwohnern als Nachzügler zurückblieb.

Der Vertreter der Presse (»Tagesspiegel«) war für Hinweise schwer zugänglich, denn meine Information an ihn, dass ich als Teilnehmer dieser Veranstaltung kein Mitglied der Partei Die Linke, sondern engagiertes Mitglied der Gewerkschaft ver.di sei und derzeit noch zum Landesbezirk Hamburg gehöre, wo ich im Fachbereich 3 – Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen und in der Betriebsorganisation beschäftigt war, blieb unberücksichtigt, denn im Artikel des »Tagesspiegel« unter der Überschrift »Pro TEST – In Berlin gehen ständig Menschen auf die Straße. Wir stellen jede Woche einen Demonstranten vor« vom 10. August 2013 ist die Rede von Teilnehmern der Aktion, die sich aus 11 Mitgliedern der Partei Die Linke und 3 Rollstuhlfahrern zusammengesetzt hätte. Mein Vorschlag für ein Gruppenfoto wurde nicht angenommen, was erklärlich ist, da die Presse nach Aussage des Wahlkampfleiters der Partei die Linke in Tempelhof-Schöneberg nicht sonderlich interessiert ist, die Partei Die Linke und deren Erkennungszeichen (Fahnen, Plakate) groß in der Presse öffentlichkeitswirksam zu zeigen und zu erwähnen. Dieser Eindruck bzw. diese Feststellung deckt sich mit einem Artikel von Fabian Lambeck aus dem »Neuen Deutschland« vom 08.08.2013 »Keiner redet mit der Linken – Auch der Deutschlandfunk benachteiligt Linkspartei«.

Zutreffend in der Berichterstattung des »Tagesspiegel« vom 10. August 2013 ist die Feststellung, dass es sich bei unserer Aktion trotz der bevorstehenden Bundestagswahl am 22. September 2013 nicht um »Wahlkampf« handelte, sondern als oberste Priorität eindeutig die Belange der behinderten Menschen im Mittelpunkt standen, ihr Kampf um Gleichberechtigung und Teilhabe in dieser Gesellschaft, frei von Angst und sozialer Ausgrenzung.

Nach Beginn des Rollstuhl- und Rollator-Marathons um 12.00 ausgehend von der Gaststätte »Happy Buddha« steuerten wir das »Haus der Ideen – Ein Ort der kulturellen Begegnung, zum Feiern und Wohlfühlen!« an, wo der Inhaber die Gelegenheit nutzte, für sein Haus mit Informationsflyern zu werben. Auffällig für mich waren vor dem Supermarkt »Kaisers« Kunden, welche sich von unserer Aktion bei ihrem Einkauf gestört fühlten (»Wir wollen einkaufen, machen Sie Platz«). Tatsächlich konnte eine Autofahrerin nicht sofort das Parkgelände vor »Kaisers« verlassen, weil einige Teilnehmer des Rollstuhl- und Rollator-Marathons unabsichtlich im Weg standen. Ich fand die Bemerkung eines Teilnehmers unserer Aktion nicht abwegig und aus der Situation der eigenen Betroffenheit durchaus nachvollziebar (»Es ist für manche Nichtbehinderte auch einmal eine lehrreiche Erfahrung, wenn Sie von Behinderten behindert werden.«).

Während der Veranstaltung erfolgte ein engagierter Gedankenaustausch, welcher das gegenseitige Kennenlernen mit den Teilnehmern ermöglichte. Über den Begriff »Behinderung« besteht ständig Diskussionsbedarf (»Wer ist eigentlich behindert? Was bedeutet behindert in der heutigen Gesellschaft? Sind wir nicht alle auf irgendeine Weise behindert?). Konsens in den Gesprächen während unserer Aktion des Rollstuhl- und Rollator-Marathons bestand darin, dass das Grundproblem aller Behinderungsformen die Isolierung von der Umwelt und damit die Verkürzung der Kommunikationsstränge bleibt. Nur zu oft führt eine solche Absonderung dazu, dass der Betroffene dann erst recht »absonderlich« wird.

Um dem entgegenzuwirken war das Anbringen von mahnenden Plakaten an Orten, welche leider noch nicht barrierefrei sind wie beispielsweise am Lichterfelder Ring, eine sehr gute Idee. Bei weiteren Aktionen dieser Art würde ich gerne wieder mitwirken. An den Tagesspiegel habe ich einen Leserbrief geschickt mit folgendem Wortlaut:

»Pro TEST – Wirkliche Gleichberechtigung«

Mit der von der Direktkandidatin für die Linke in Tempelhof-Schöneberg Azize Tank organisierten Veranstaltung eines Rollstuhl- und Rollator-Marathons am 8. August 2013 in Marienfelde wurden viele Bürger in diesem schönen Stadtteil Berlins in persönlichen Gesprächen auf die Probleme behinderter Menschen aufmerksam (Barrierefreiheit, Schwierigkeiten bei alltäglichen Besorgungen). Neben der Erwähnung von positiven Beispielen gab es aber auch leider noch nicht barrierefreie Orte. Durch Anbringen von mahnenden Plakaten (»Dieser Ort ist leider noch nicht barrierefrei – Aber vielleicht bald...?«), beispielsweise am Lichterfelder Ring, ist man bestrebt, diesen Missstand zu beheben im Interesse der behinderten Menschen. Eine gelungene Aktion, welche aufzeigte, dass es noch viel zu tun gibt, denn viele Einrichtungen sind für behinderte Menschen immer noch schwer oder nicht zugänglich.

 

Olaf Wieland
Teilnehmer der Veranstaltung »Rollstuhl- und Rollator-Marathon«
Mitglied der Gewerkschaft ver.di (derzeit noch Landesbezirk Hamburg)
und in der LAG »Selbstbestimmte Behindertenpolitik«

Quelle: http://www.die-linke-berlin.de/die_linke/partei/lag_und_ig_plattformen/selbstbestimmte_behindertenpolitik/rollstuhl_und_rollator_marathon/