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27. November 2010

3. Landesparteitag • 1. Tagung

Nun hat das Kompetenzteam seinen Abschlussbericht vorgelegt

Redebeitrag Andreas Schlüter

[Manuskript – es gilt das gesprochene Wort.]

Liebe Genossinnen und Genossen,

im Zuge unserer Debatte, »Berlin im Wahljahr 2011« muss auch ein Thema Beachtung finden, das ungeachtet der übergreifenden gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen – wiedergespiegelt in der Programmdebatte – für unsere Stadt doch von nicht geringer Bedeutung ist: die Nachnutzung der Flughäfen Tempelhof und Tegel.

Dabei ist das Thema Tempelhof mit einem wichtigen Erfolg verbunden: dem erfolgreichen Kampf (im Verein mit einem breiten Bündnis) gegen den Wahnsinn innerstädtischer Starts und Landungen von Flugzeugen. Am 31. Oktober 2008 hatte dies ein Ende. Schon während der Auseinandersetzung um die Schließung beschloss der Landesparteitag von DIE LINKE Berlin die Einrichtung des Kompetenzteams zur Nachnutzung der Flughäfen. Nicht zuletzt durch das Drängen dieses Teams beschloss der Landesausschuss unserer Partei dann ein zehnjähriges Moratorium bezüglich der Entscheidungen zu Dauernutzungen Tempelhofs. Am 8. Mai dieses Jahres wurde das Feld dann unter intensiver Beteiligung insbesondere der Bezirksorganisationen von Tempelhof-Schöneberg und Neukölln für die Allgemeinheit geöffnet. All dieses kann auch als Erfolg intensiver Basisarbeit gewertet werden.

Nun hat das Kompetenzteam seinen Abschlussbericht vorgelegt, dieser ist schon mit den Parteitagsunterlagen im Netz. Ihr erlaubt mir, als Mitglied des Teams für Tempelhof-Schöneberg trotz wichtiger Fragen zu den anderen Flughäfen – auch zu Bewohner-freundlichen Flugrouten vom BBI aus – meinen Blick hier auf Tempelhof zu konzentrieren. Übrigens klingt die kritische Betrachtung unserer Arbeit an der Stelle des Fazits im Bericht missverständlich: es war wichtig, dieses Team zu haben, nur fühlten wir uns an manchen Stellen etwas alleingelassen, bzw. hatten das Gefühl, dass unsere Schlussfolgerungen nicht allzu ernst genommen wurden.

Die Schlussfolgerungen der Genossinnen und Genossen, die insbesondere mit Tempelhof befasst waren:

Das Feld ist umfänglich angenommen worden und dies wird mit den Jahren noch mehr der Fall sein. Es ist ein unvergleichlicher Ort der Erholung, Entspannung und des Freizeitvergnügens verschiedenster Art von fast therapeutischem Wert! Dies angesichts der Tatsache, dass Abertausende von Berlinerinnen und Berlinern sich keinen Urlaub mehr leisten können. Das ist das Ergebnis des existenten Wiesenmeeres! In einem Grade, wie vorherige virtuelle Beschäftigung mit dem Thema es niemals so klar zu Tage treten lassen konnte.

Es gilt, diesen Ort für das Allgemeinwohl zu erhalten. Alles, was diese therapeutische Weite beeinträchtigt, sosehr man die Nutzung durch kleinteilige Maßnahmen fördern kann, ist von Übel. Weg mit irgendwelchen »Parkplänen«, die die Weite zerstören!

Aber auch sehr wichtig: wir müssen den fortgesetzten Randbebauungsplänen trotzen! Die Begehrlichkeit nach den »Seegrundstücken«, gefördert durch die Weiterführung des »Strieder-Planes« aus einer Zeit, als man Berlin als zukünftige »Boom Town« sah, sind Gift. Es gibt keinerlei Bedarf an Wohn- und Gewerbeflächen, der nicht anderweitig in der Stadt problemlos befriedigt werden könnte! Keine Zerstückelung und Privatisierung dieses innerstädtischen Schatzes!

Der Platz muss der Allgemeinheit erhalten bleiben. Er muss Ort der Erholung, aber auch des Gedenkens an die unselige Vorgeschichte des Flughafens in der Nazizeit sein. Er bietet Stadt-identitätsstiftende Panoramen, insbesondere auch von der S-Bahnlinie aus.

Auch wir müssen aus »Stuttgart21« lernen. Wenn man versuchen wird, der Allgemeinheit diesen Ort wieder zu nehmen, wird diese sich sehr wahrscheinlich – und ich füge hinzu: hoffentlich – wehren. Seien wir dann auf der richtigen Seite und überlassen nicht den »Kalter-Krieg«-Nostalgikern den Platz! Besucht das Feld, lest den Bericht des Kompetenzteams! Wirkt im Sinne des Gemeinwohls!

Vielen Dank