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1. April 2017

Vertreter/innen/versammlung DIE LINKE. Berlin

Bewerber/innen um einen Platz auf der Landesliste
zu den Wahlen zum 19. Deutschen Bundestag 2017


Evrim Sommer

»Der Mensch ist frei geboren,
und überall liegt er in Ketten.«
Jean-Jacques Rousseau

Liebe Genossinnen und Genossen,
1980 gelang meiner Familie die Flucht vor Krieg und Terror aus der Türkei nach Deutschland. Sie rettete meiner Familie und mir das Leben. So dankbar ich dafür bin, dass ich in Berlin ein neues Zuhause finden konnte, so sehr weiß ich auch, wie schwierig es ist, in einem fremden Land aufzuwachsen. Deshalb ist es mir seither eine besondere Verpflichtung, mich gegen Rassismus und für Frieden einzusetzen.

Mein Engagement gegen Rassismus hat mich 1997 zur PDS gebracht und bildet seither einen Schwerpunkt meiner politischen Arbeit. Von1999 bis 2016 war der Ort meines politischen Wirkens die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Seit Februar 2017 arbeite ich als wissenschaftliche Referentin der Fraktion DIE LINKE. im Thüringer Landtag für die Enquetekommission zur Auseinandersetzung mit Rassismus in Thüringen. Meine parlamentarische Arbeit ging immer mit einer engen Kooperation mit der Zivilgesellschaft einher. Zusammen mit verschiedenen Bündnissen und Gewerkschaften organisierte ich regelmäßig Veranstaltungen gegen Rechts. Egal ob als Aktivistin, Abgeordnete, Autorin oder wissenschaftlich Referentin – ich kämpfe für linke Positionen und vertrete die Interessen der Menschen, deren Stimme ungehört bleibt.

Ich trete für eine Gesellschaft ein, in der ein friedliches, solidarisches und von Gleichwertigkeit geprägtes Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion gewährleistet wird. Das ist für mich eine Gesellschaft ohne Rassismus, ohne Abwertung und ohne Ausgrenzung.

Seit der Bundestagswahl 2013 ist das politische Klima in unserem Land rauer geworden. Eine soziale und menschenfeindliche Kälte hat die Menschen erfasst. Viele Bürgerinnen und Bürger haben das Gefühl, dass der regierenden Großen Koalition das Wohl der Menschen egal ist. Sie empfinden eine Demokratieentleerung und einen gewaltigen Vertrauensverlust gegenüber den regierenden Parteien. Die Menschen glauben, kein Gehör bei ihnen zu finden. Genau das führt zum Erstarken der Rechtspopulisten. Die AfD vergiftet mit Lügen und Propaganda das gesellschaftliche Klima und zieht in immer mehr Landtage ein. Das Erstarken der Rechtspopulisten ist allgegenwärtig und darf nicht mehr unterschätzt werden. Wohin das führt, sieht man am Wahlsieg Trumps oder an den Entwicklungen in der Türkei. Besonders jetzt brauchen wir eine starke Linke im Bundestag!

Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist in Deutschland viele Jahre vernachlässigt worden. Rassismus hat tiefe Spuren im Staat, in der Gesellschaft, in den Medien und in der Politik hinterlassen. Die NSU-Morde und jüngste Gewalttaten gegen Geflüchtete sind nur die sichtbare Spitze des Eisberges.

Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. In Deutschland hat die Zahl rassistisch motivierter Gewalttaten einen traurigen Rekordwert erreicht. Allein 970 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte verzeichnete das BKA für das Jahr 2016. Rassistische Äußerungen seitens der AfD aber auch von Vertretern demokratischer Parteien senken die Hemmschwellen zu Gewalttaten. Rassismus ist ein Gift, das unsere Gesellschaft spaltet. Rassismus demoralisiert und tötet Menschen. Die Opfer der NSU-Morde und rechter Gewalt sind für uns LINKE eine besondere Verpflichtung.

Rassismus, Ungleichwertigkeit und Diskriminierung sind wichtige bundespolitische Themen. Im Bundestag werde ich mich für die Einsetzung einer Enquetekommission zu Ursachen und Folgen von Rassismus in Deutschland sowie Gegenstrategien stark machen. Eine solche Kommission ist notwendig, weil dadurch die Bundespolitik Verantwortung übernimmt, gegen Rassismus in allen seinen Ausprägungen vorzugehen. Darüber hinaus gibt es hier immer noch keine allgemeingültige und eindeutige Definition von Rassismus, geschweige denn eine verstetigte Rassismusforschung. Wir brauchen eine Strafnorm gegen Rassismus in Deutschland wie es sie beispielsweise seit 1995 in der Schweiz gibt. Die rechtliche Auslegung von Rassismus führt in Deutschland strafrechtlich kaum zu Verurteilungen, etwa bei rassistischen Äußerungen. Wir brauchen dringend ein Antirassismusgesetz und dafür werde ich kämpfen!

Neben dem Kampf gegen (Neo-)Rassismus sehe ich als zweiten Schwerpunkt meines politischen Wirkens den Einsatz für Frieden und universelle Menschenrechte. Gerade erlebten wir hautnah, wie sich die Türkei zu einem Terror-Regime entwickelt. Niemand ist mehr sicher in der Türkei, das zeigt der Fall des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel. Das Erdogan-Regime nimmt willkürlich Menschen fest, die die Politik und den staatlichen Terror in der Türkei kritisieren. Bereits mehr als 100.000 Menschen wurden verhaftet und davon mehr als 41.000 inhaftiert.

Die Türkei wird von der islamofaschistischen AKP regiert. Ihr Chef Erdogan setzt auf die Kontinuität des staatlichen Terrors – ganz in der Tradition der Militärregime der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Dies hat auch einen direkten Einfluss auf Deutschland und die hier lebenden Menschen, die aus der Türkei stammen. »Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden« schrieb Rosa Luxemburg. Dieser Satz gilt auch für Istanbul, Ankara und Diyarbakir. Das sollten wir Erdogan ins Stammbuch schreiben. Alle politischen Gefangenen müssen sofort freigelassen werden! Wir brauchen eine Kehrtwende in der Türkeipolitik und die beginnt mit einem Stopp aller Rüstungs- und Waffenexporte in die Türkei!

Privat
Helin Evrim Sommer
geb. 7. Februar 1971 in Varto/Türkei
Historikerin (B.A.)/Übersetzerin
Verheiratet, Mutter einer Tochter
Seit 1980 Berlinerin

Partei
2016 Spitzenkandidatin der LINKEN.Lichtenberg für die Wahl zur Bezirksverordneten-versammlung und für das Amt der Bezirksbürgermeisterin
2012-2016 Vorsitzende des Bezirksverbandes der Partei DIE LINKE.Lichtenberg
2001-2006 Vorsitzende des Bezirksverbandes der PDS Berlin-Neukölln bzw. der Partei DIE LINKE.
Seit 1997 Mitglied der PDS bzw. der Partei DIE LINKE.

Parlamentarische Funktionen
2013-2016 Mitglied des Präsidiums des Abgeordnetenhauses
1999-2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin (2006 und 2011 Direktmandat im Lichtenberger Wahlkreis 1 in Neu-Hohenschönhausen-Nord)
1999-2016 Fraktionspolitische Sprecherin für Frauen und Entwicklungspolitik der Linksfraktion
1999-2016 Mitgliedschaften im Ausschuss für Arbeit/Integration/Berufliche Bildung/ Frauen sowie im Ausschuss für Wirtschaft/Forschung und Technologie
1999-2011 Mitgliedschaft im Innenausschuss

Beruf und Studium
ab 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Enquetekommission "Rassismus" der Fraktion DIE.LINKE im Thüringer Landtag
2007-2016 Berufsbegleitendes Teilzeitstudium der Geschichtswissenschaften und Geschlechterstudien (Abschluss: Kombinationsbachelor, Bachelor of Arts) an der Humboldt- Universität zu Berlin (2009-2012 Beurlaubung wegen Schwangerschaft und Kind)
2005-2007 Berufsbegleitendes Studium der Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin
1997-2001 Arbeit im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als Dolmetscherin, Übersetzerin und Gutachterin in Berlin und Brandenburg
1997-2000 Eigenes Übersetzungsbüro für alle Sprachen und Fachgebiete; tätig als Dolmetscherin, Übersetzerin und Gutachterin für Notare und Gerichte in den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt
1997 Staatliche Prüfung zur Dolmetscherin und Übersetzerin