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landesinfo | Ausgabe November 2002, Seite 1

16. November

Die Wasserstoffbombe – eine neue Dimension des Schreckens

Am 16. November 1952 gibt die US-Administration offiziell den erfolgreichen Test einer neuen »Superwaffe« bekannt. Die Wasserstoffbombe hat die 700fache Zerstörungskraft der Bombe von Hiroshima. Das Eniwetok-Atoll im Pazifik, auf dem sie am 1. November gezündet wurde, existiert seitdem nicht mehr. »Es war natürlich nicht beabsichtigt, Energie für friedliche Zwecke zu gewinnen«, kommentiert die »New York Herald Tribune« die Versicherung der US-Regierung, diese Energiequellen auch »für produktive Zwecke im Dienste der gesamten Menschheit« nutzbar machen zu wollen. Der tatsächliche Grund für diese Inszenierung des Schreckens war der Verlust des Atomwaffenmonopols. Präsident Truman hatte die beschleunigte Entwicklung der Wasserstoffbombe im Januar 1950 angewiesen, nachdem die erfolgreichen Atombombentests der Sowjetunion bekannt wurden. Warnungen von Albert Einstein und J.R. Oppenheimer (einem der Väter der Atombombe), angesichts der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki die Entwicklung atomarer Massenvernichtungswaffen nicht weiterzutreiben, zählten wenig.

Für die militärische und waffentechnische Überlegenheit wendeten die USA damals 59% ihres Haushaltes auf. Nicht von ungefähr legt sich die NATO zur gleichen Zeit auf die Strategie der »massiven Vergeltung« fest. Die vermeintlichen Atomspione Ethel und Julius Rosenberg sitzen nach einem fragwürdigen Prozess in der Todeszelle. Ihre Hinrichtung bleibt trotz internationaler Proteste beschlossene Sache. Der Triumph der USA ist von kurzer Dauer. Die Sowjetunion und Großbritannien ziehen gleich. Die Rüstungsspirale steigert sich in den kommenden Jahren zum Gleichgewicht des Schreckens und zum atomaren Overkill.


Jürgen Hofmann