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landesinfo | Ausgabe Dezember 2002, Seite 2

Weichen für neues Schulgesetz gestellt

Mit der Überarbeitung des Schulgesetzentwurfes ist es uns gelungen, den Aspekt der »Förderung statt Auslese« zu verstärken. Das geschieht u.a. in den bildungspolitischen Grundsätzen (§ 4 Abs. 2), in der Ganztagsbetreuung und in der Grundschule (§§ 19 und 20), in der Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache, insbesondere auch durch Angebote zum Erlernen der Muttersprache (§ 15), in der Betonung des Vorrangs der Integration in der sonderpädagogischen Förderung (§ 37) und in der Verpflichtung, rechtzeitig Fördermaßnahmen auf der Grundlage individueller Bildungspläne zu ergreifen, um Sitzenbleiben zu vermeiden.

»Auf den Anfang kommt es an«

Die Stärkung und Weiterentwicklung der sechsjährigen Berliner Grundschule ist ein Anliegen des neuen Schulgesetzes. Dazu zählt die flexible Schuleingangsphase, die inhaltlich und organisatorisch die ersten beiden Jahrgangsstufen zusammenfasst. So kann besser als bisher auf unterschiedliche individuelle Ausgangsbedingungen der Kinder reagiert werden.

Wichtig war uns, auf die ursprünglich vorgesehene äußere Leistungsdifferenzierung in der 5. und 6. Klasse, die Kinder in Niveau- bzw. Leistungsstufen in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache teilte, für einen erheblichen Teil der Unterrichtszeit zu verzichten. Wir halten Differenzierungsformen für sinnvoll, die sowohl die Individualität der Kinder aufgreifen und fördern als auch Gemeinschaftlichkeit und Teamgeist durch gemeinsames Lernen stärken.

Unterricht in Muttersprachen

SchülerInnen mit Migrationshintergrund zählen zu den Benachteiligten dieses Bildungssystems. Das lässt sich nur durch konsequente Förderung u.a. der sprachlichen Kompetenzen ändern. Dazu zählt das Beherrschen der deutschen, aber auch der eigenen Muttersprache. Deshalb war es für uns unverzichtbar, die muttersprachliche Ausbildung im Schulgesetz zu verankern. Dies ist in einer »Angebotsform« erfolgt.

Die Stärkung der Eigenverantwortung der Einzelschule gehört zu den wichtigen Neuerungen des vorliegenden Schulgesetzentwurfs. Ein Fortschritt in Richtung Demokratisierung der Schule besteht in der Stärkung der Rechte der Schulkonferenz.

Diskussion geht weiter

Nunmehr liegt ein Schulgesetzentwurf vor, der eine Reihe von Verbesserungen im Vergleich zur jetzigen Situation enthält. Trotzdem halten wir auch einiges für noch nicht befriedigend gelöst und erhoffen uns von der bevorstehenden öffentlichen Diskussion neue Impulse, nicht zuletzt auch für eine mittelfristige Überwindung des gegliederten Schulsystems.


Siglinde Schaub

schulpolitische Sprecherin