Zurück zur Startseite
landesinfo | Ausgabe Dezember 2002, Seite 4

30. Dezember

Mordsache Helmut Just

Es war der 30. Dezember 1952. Gegen 20:45 Uhr begab sich der Unterwachtmeister Helmut Just zum Kontrollpunkt auf der Behmbrücke, die in den französischen Sektor führte. Just erreichte den Kontrollpunkt aber nie. Zwei Schüsse aus nächster Nähe löschten sein Leben aus. Sie trafen ihn von hinten in den Kopf.

Die Täter und ihre Hintermänner wurden in den Agentenzentralen und Parteien der Westsektoren vermutet. Ein politischer Racheakt war nicht auszuschließen. Unmittelbar vor der Tat war unter großer Anteilnahme der Westberliner Bevölkerung der Polizeioberwachtmeister Herbert Bauer zu Grabe getragen worden, der bei einem Schusswechsel mit sowjetischen Soldaten ums Leben kam. Aber auch das kriminelle Milieu, das von der Teilung der Stadt, Schiebergeschäften und Währungsmanipulationen profitierte, musste im Mordfall Just als möglicher Täterkreis in Betracht gezogen werden. Die eingesetzte Sonderkommission fand jedoch keine weiterführenden Spuren, um den offiziellen Verdacht zu untermauern. Die Ermittlungen liefen ins Leere. Der Mordfall Helmut Just ist bis heute ungeklärt.

Der 19jährige Helmut Just war in Karlshorst aufgewachsen und zur Schule gegangen. Der leidenschaftliche Amateurboxer galt als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Der hilfsbereite Junge war bei Nachbarn und Kollegen beliebt. Erst wenige Monate zuvor hatte er seine Malerlehre abgeschlossen und sich zum Polizeidienst gemeldet. Sein Tod bewegte die Menschen im Berliner Osten. Tausende gaben ihm Anfang Januar das letzte Geleit. Lehrlinge seines Ausbildungsbetriebes fertigten den Ge-denkstein. Straßen, Einrichtungen und Brigaden trugen fortan seinen Namen.

Wenig historische Sachkenntnis bewiesen diejenigen, die ihn nach 1989 als »Mauermörder« klassifizierten und die Erinnerung an den Vorfall aus dem Berliner Straßenbild tilgten.


Jürgen Hofmann