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landesinfo | Ausgabe Januar 2003, Seite 4

25. Januar

KPD-Demonstration vor dem Karl-Liebknecht-Haus

Am 25. Januar 1933 herrschte in Berlin klirrende Kälte. Dennoch marschierten über vier Stunden lang 130.000 Berliner Arbeiter am Sitz der KPD-Zentrale vorbei. Anlass war ein drohender Staatsstreich in Deutschland und – in seinem unmittelbaren Gefolge – das Verbot der KPD. Beide Befürchtungen trafen wenige Tage später ein.

Diese letzte große Demonstration der Anhänger der KPD war zugleich die Antwort auf eine Provokation der NSDAP. Drei Tage zuvor, am 22. Januar, waren deren Anhänger – viele von ihnen in SA-Uniform – aus allen Teilen Berlins und Brandenburgs zusammengetrommelt worden, um mit einer Kundgebung auf dem Bülow-Platz, dem heutigen Luxemburg-Platz, die eigene Stärke zu zeigen. Ein riesiges Polizeiaufgebot wurde zu ihrem Schutz aufgeboten.

Jene, die am 25. Januar mit der KPD demonstrierten, wussten also sehr genau, warum. An der Front des Karl-Liebknecht-Hauses stand in großen Lettern: Kampf gegen Kriegsgefahr und Faschismus, Hunger und Frost, für Arbeit, Brot und Freiheit. Die sonst üblichen Zusammenstöße mit der Polizei, der diese Hochburg der Kommunisten im Stadtzentrum schon immer ein Dorn im Auge war, blieben diesmal weitgehend aus.

Wenig später überstürzen sich die Ereignisse:
Am 30. Januar 1933 beauftragt Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler, eine neue Reichsregierung zu bilden.
Am 1. Februar wird auf Antrag der Hitlerregierung der bestehende Reichstag aufgelöst, Neuwahlen sollen am 5. März 1933 stattfinden.
Am 2. Februar werden das Karl-Liebknecht-Haus wie auch die Gebäude aller Bezirksleitungen der KPD und ihr nahestehender Organisationen in ganz Deutschland überfallartig besetzt.
Ab 23. Februar weht über dem Karl-Liebknecht-Haus die Hakenkreuzfahne. Es wird nach Horst Wessel benannt, der im Januar 1930 ums Leben gekommen und seither zum wichtigsten Idol der Nationalsozialisten erhoben worden war.
Am 27. Februar brennt der Reichstag. Noch in der Nacht füllen sich die Gefängnisse – vor allem mit Kommunisten und mit Intellektuellen, die als Linke galten. Am Tag der Reichstagswahl sind viele Mitglieder und Anhänger der KPD eingesperrt, in die Illegalität untergetaucht oder auf der Flucht ins Ausland.


Horst Helas