Zurück zur Startseite
landesinfo | Ausgabe September 2003, Seite 3

Was würde Rudolf Virchow sagen?

Was die große Koalition von SPD, CDU/CSU, Grünen und FDP als Gesundheitsreform verkaufen will, hat nichts mit Gesundheit und nichts mit Reformen zu tun. Es sind in erster Linie Lohnkürzungen! Die Arbeitgeber werden beim Krankengeld und beim Zahnersatz aus der paritätischen Finanzierung entlassen und die Arbeitnehmer müssen die Kosten selbst übernehmen. Und da sich der Protest in Grenzen hält, wird immer noch nachgelegt: Eintrittsgeld beim Arzt, Medikamenten-, Krankenhaus- und andere Zuzahlungen, immer neue finanzielle Hürden muss der Einzelne nehmen, bevor er Leistungen seiner Kasse erhalten kann, für die er nicht unerhebliche Beiträge zahlt.

Die versprochenen Senkungen der Krankenkassenbeiträge stehen immer noch in Frage. Sicher ist nur, dass durch diverse Zuzahlungen letztendlich für den Einzelnen höhere Kosten entstehen, ohne dass er dafür mehr Leistungen erwarten kann. Gerade für diejenigen, die jeden Euro mehrfach umdrehen müssen, bringt diese »Reform« nicht mehr Gesundheit, sondern im Gegenteil, weniger Gesundheit. Viele Menschen werden sich drei Mal überlegen, ob sie zum Arzt gehen oder sich teure Medikamente kaufen sollen.

Es ist schon erstaunlich, dass die größte Koalition aller Zeiten es nicht schafft, eine wirkliche Reform auf die Beine zu stellen. Sie hat nicht den Mut und nicht den Willen, sich mit den mächtigen Lobbygruppen anzulegen, da bedient man sich lieber bei den kleinen Leuten. Rudolf Virchow, Mitglied des Deutschen Reichstages von 1880 bis 1893 und Gesundheitspolitiker, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wie unsozial heute Gesundheitspolitik gemacht wird.


Dr. Gesine Lötzsch (MdB)

PDS im Bundestag