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landesinfo | Ausgabe Oktober 2003, Seite 3

Ein Jahr zu zweit

Am 23. September 2003 zogen Gesine Lötzsch und ich Bilanz. Die Medien kamen reichlich. Wir hatten Häppchen versprochen, auch Tische und so waren wir schnell beim beliebten Thema: Die PDS im Bundestag, ohne Telefon und Tisch, ohne hinreichende Mittel und Rechte. Tags darauf fauchte uns Bundestagspräsident Thierse an. Er nahm die Kritik an diesen Zuständen persönlich – auch gut.

Ein Jahr zu zweit im Bundestag, da summiert sich einiges. 50-mal haben wir beide im Plenum gesprochen, jeweils. Kurz, drei oder fünf Minuten, länger dürfen wir nicht. Aber so oft wie wir war sonst niemand am Pult.

Unsere Auftritte sind Ritual. »Die nächste Rednerin ist ...« Dann folgt der Zusatz »fraktionslos«, mehr nicht. So werden wir stets angekündigt. Also klären wir spätestens im dritten Satz unsere Herkunft, indem wir sagen: »Die PDS im Bundestag meint!« Spätestens dann wissen die Phönix-Gucker Bescheid. Obwohl, die meisten erkennen uns auch so, wie ich aus vielen Briefen weiß. Über 5.000 habe ich übrigens im zurückliegenden Jahr erhalten und beantwortet.

Wir mussten lernen, mit knappen Ressourcen gut umzugehen. Auch mit der Zeit. Der Tag hat 24 Stunden, auch der Bundestag, in dieser Frage gibt es keine Privilegien. Deshalb beackern wir vor allem drei große Schwerpunkte: Friedens- und Sozialpolitik sowie die neuen Bundesländer. Das sind übrigens genau die Themen, wo wir uns zunehmend einer übergroßen Koalition von SPD, Grünen, CDU, CSU und FDP gegenübersehen. Deshalb haben wir auch bilanziert: Wir heißen nicht nur Opposition, wir opponieren auch – wirklich und von links.


Petra Pau (MdB)

PDS im Bundestag