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landesinfo | Ausgabe Oktober 2003, Seite 4

23. Oktober 1923 – Hamburger Aufstand

In den frühen Morgenstunden tauchen in den Hamburger Außenbezirken – so in Eimsbüttel, Barmbeck, Uhlenhorst, Wandsbeck, Horn, Hamm und Borgfelde – wie aus dem Nichts Arbeitertrupps auf. Im Handstreich stürmen sie verschiedene Polizeiwachen und bewaffnen sich. Der Hamburger Aufstand unter Leitung der dortigen KPD-Organisation hat begonnen. Das Signal von Hamburg wird aber in anderen Teilen des Reiches nicht aufgenommen. Auch die streikenden Dockarbeiter lassen sich nicht für die Erhebung gewinnen. Isoliert ist der Aufstand zum Scheitern verurteilt. Dennoch halten sich die ca. 300 Kämpfer drei Tage gegen eine erdrückende Übermacht von Polizei und Reichswehr. Bereits wenige Stunden nach dem geglückten Handstreich setzen die Säuberungsaktionen ein. Wie schon Monate zuvor in den Ruhrkämpfen sind die »Ordnungshüter« bei der »Befriedung« der Arbeiterbezirke nicht zimperlich. Der geordnete Rückzug der Aufständischen verhindert weitere sinnlose Opfer.

Maßgeblich beteiligt an der Vorbereitung des Aufstandes ist Ernst Thälmann, der im Arbeitervorort Barmbeck die Kämpfe leitet. Thälmann hatte die Hamburger USPD mehrheitlich in die Vereinigung mit der KPD geführt und war 1921 Vorsitzender der KPD Ortsgruppe geworden. Seit Mai war er einer der Vertreter der »linken« proletarischen Strömung der Kommunistischen Partei in der Berliner Zentrale. Zwei Jahre später tritt er an die Spitze der KPD.

Das Scheitern des Aufstandes zeigt erneut, dass trotz der massiven sozialen und politischen Konflikte in Deutschland und der Reichsexekution gegen die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen der Faden der Novemberrevolution nichtwieder aufgenommen werden kann. Die KPD muss sich von Revolutionsplänen verabschieden. Sie wird für etliche Monate verboten und in die Illegalität gedrängt. Ihr Aufstieg zu einer Massenpartei mit starkem Wähleranhang erweitert ihre Handlungsmöglichkeiten beträchtlich. Zu gleich erweist sich die Ausrichtung an stalinscher Politik als schwere Hypothek mit Langzeitwirkungen.


Prof. Dr. Jürgen Hofmann