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landesinfo | Ausgabe Dezember 2003, Seite 1

Hau weg den Scheiß und Gras drüber

Mitte November beschloss der Bundestag kurz und bündig, den »Palast der Republik« abzureißen. Tags darauf widmeten sich alle großen deutschen Zeitungen dem Vorfall. Ihr Urteil war vernichtend. Nicht, dass sie alle Fans des Palastes wären. Sie fragten vielmehr: Wozu ist das jetzt gut? Wer soll das bezahlen? Und vor allem, was soll aus Berlins Mitte werden? Antworten aus dem Bundestag waren nicht zu hören. Wie auch, er stimmte ab, ohne Debatte.

Bausenator Strieder (SPD) war beredter. Er zog vier Pläne aus der Lade. In Variationen soll der Platz bepflanzt werden. Ein großes grünes Nichts zwischen »Alex« und »Linden«, witzeln die Spötter. Mich erinnert das an Bilder aus der Nachkriegszeit. Damals wurden Freiflächen gesucht, um Kohl anzubauen. Die Hungersnot machte erfinderisch, Gott sei Dank. Nur, welcher Krieg wird gerade beendet? Und welcher Mangel treibt einen Politiker heute zu solcher Notdurft?

Der Schloss-Platz ist das wichtigste Areal im Zentrum Berlins, das noch nicht bestimmt, gestaltet, verbaut ist. Ja, er ist umstritten, nicht nur ob der beladenen Kontroverse »Palast oder Schloss«. Hier kreuzen sich Ost und West, Geschichte und Zukunft, private Begierden und öffentliche Interessen. Er bleibt eine spannende Herausforderung. Seit Jahren dümpelt der Platz trist und hilflos. Aber der Palast ist daran unschuldig, er ist Opfer, nicht Täter. Nun wurde verfügt: »Hau weg, den Scheiß« und »Gras drüber«. Armes, neues Deutschland!


Petra Pau

PDS im Bundestag