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landesinfo | Ausgabe April 2004, Seite 4

25. April 1974 – Nelkenrevolution in Portugal

In den frühen Morgenstunden besetzen aufständische Militärs eine Lissaboner Radiostation. Panzer rollen in die Hauptstadt ein. Die Bevölkerung begleitet diesen »Putsch« mit spontanen Sympathiekundgebungen. Die Gewehrläufe der einrückenden Soldaten werden mit Nelken geschmückt. Die Revolution hat ihren Namen. Über 40 Jahre faschistische Diktatur finden ein unblutiges Ende. Noch am Abend verkündet die Militärjunta ihr Programm »zur Erlösung des Landes und zur Wiedereinsetzung des portugiesischen Volkes in seine Bürgerrechte«.

Seit 1933 hatte Antonio de Oliveira Salazar mit seiner »Uniao Nacional« jede oppositionelle Regung unterdrückt. Streiks und andere Parteien waren verboten. Sein Vertrauter Caetano führte das anachronistische und autoritäre Regime seit 1968 weiter.

Neben dem innenpolitischen Sprengstoff war der Widerstand gegen die Kolonialpolitik ein entscheidendes Motiv der »Bewegung der Hauptleute«. Portugals Regime versuchte im Gegensatz zur internationalen Entwicklung seine Kolonien in Afrika mit aller Macht zu halten. Die sinnlosen und blutigen Waffengänge stießen bei verantwortungsbewussten Militärs zunehmend auf Kritik. General Spinola, der von 1968 bis 1973 selbst Gouverneur von Guinea-Bissau war, verlangte im Februar 1974 öffentlich ein Ende der Kolonialkriege und die Anerkennung des Rechtes auf Selbstbestimmung. Dieses Bekenntnis kostete den stellvertretenden Generalstabschef umgehend seinen Posten. Die Nelkenrevolution bringt ihn in das Amt des Staatspräsidenten.

Die Militärjunta entlässt die politischen Häftlinge und löst die alte Nationalversammlung auf. Oppositionelle Politiker, darunter die Führer der Sozialistischen und Kommunistischen Partei, kehren aus dem Exil zurück. Am 15. Mai wird ein Übergangskabinett unter dem Juristen Adelino da Palma Carlos gebildet, dem auch KP-Generalsekretär Alvaro Cunhal beitritt.


Jürgen Hofmann