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landesinfo | Ausgabe April 2005, Seite 2

Kulturen, Religionen und Fragen der Lebensgestaltung

PDS-Fraktion schlägt neues Wissensfach ab 2006 vor

Die PDS-Fraktion schlägt ein neues Unterrichtsfach vor, in dem grundlegende Bildung über verschiedene Kulturen, die großen Weltreligionen und Fragen der Lebensgestaltung erworben werden kann. Wir beziehen damit Position in der aktuellen Debatte um den so genannten Werte vermittelnden Unterricht und die Stellung des Religionsunterrichts in der Berliner Schule.

Der »bekenntnisorientierte« Religions- und Lebenskundeunterricht bleibt bei unserem Vorschlag wie bisher Angelegenheit der Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und die Teilnahme daran freiwillig. Demgegenüber ist das neue Fach ein »Wissensfach« und als solches staatlich verantwortet, weltanschaulich neutral und für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich.

Wir schlagen das neue Fach für die Klassenstufen 7 bis 10 vor, beginnend 2006/07 in den 7. Klassen. Die Schulzeitverkürzung bis zum Abitur erfordert hier ohnehin Veränderungen in den Stundentafeln und Rahmenlehrplänen. Das ermöglicht eine Bündelung von Lerninhalten und eine Verstärkung des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs um mindestens eine Stunde für das neue Fach.

Eine weitere Stunde könnten Schulen eigenverantwortlich aus den Poolstunden nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen. Mehr als die bereits geplante Ausweitung der Stundentafel verbietet sich aus pädagogischen und finanziellen Gründen.

Für das neue Fach können Erfahrungen des Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde-Unterrichts in Brandenburg und des Modellversuchs Ethik/ Philosophie in Berlin genutzt werden.

Da in der Grundschule gerade tief greifende Veränderungen stattfinden, wie die flexible Schulanfangsphase oder der Ausbau der Ganztagsbetreuung, wollen wir hier über die Einführung des neuen Faches zu einem späteren Zeitpunkt beraten.

Unser Vorschlag ist mehr als eine Reaktion auf die aktuelle Debatte. Er ist mit Blick auf Berlin als Einwanderungsstadt bildungspolitisch sinnvoll und notwendig. In einem interdisziplinären und integrativen Fach sollen Fragen des friedlichen und verständnisvollen Zusammenlebens im Mittelpunkt stehen und Schülerinnen und Schüler lernen, mit Reibungen, die im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft entstehen, umzugehen. Wissen über Kulturen, Religionen und Lebensweisen kann zur Bildung und Stabilisierung von Wertvorstellungen beitragen. Werteerziehung allerdings ist immer Aufgabe der gesamten Schule und aller Fächer.

Der Beschluss der PDS-Fraktion »Werte, Kulturen, Religionen« ist unter www.pds-fraktion-berlin.de nachlesbar.


Carola Freundl

stellvertretende PDS-Fraktionsvorsitzende