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landesinfo | Ausgabe Mai 2005, Seite 2

Soziale Stadt

Ein anspruchsvolles Zukunftsthema

Zwei widersprüchliche Trends prägen Berlin. Zum einen wird die Spree-Metropole für viele immer attraktiver. Zum anderen verarmen immer mehr Kieze. Beides ist erleb- und messbar. Der Sozialstrukturatlas gibt Auskunft. So gilt zum Beispiel der Weddinger Sprengelkiez als Problemgebiet: Extrem viel Arbeitslose, überdurchschnittlich viele Sozialhilfeempfänger und viele Nationalitäten auf engstem Raum. Mittendrin eine ehemalige Fahrstuhlfabrik. Lange stand das Gemäuer leer. Heute pulsiert im »Sprengelhaus« neues Leben. Hier kümmern sich 30 verschiedene Initiativen um das Leben im Kiez, miteinander. Sie bieten Kurse an, sie bilden aus, sie strahlen aus. Die Leute vom zuständigen Verein stemmen sich gegen die soziale Schieflage, zumeist ehrenamtlich. Und sie sind stolz auf das Geschaffene. Wohl wissend, so Wolfgang Krüger, dass »Hartz IV« das eigentliche Grundübel, die große Arbeitslosigkeit, noch verschlimmert.

»Wir wollen keine Illusionen wecken«, hatte auch PDS-Landesvorsitzender Stefan Liebich vorab den Journalisten erzählt, die mit ihm und Senatorin Heidi Knake-Werner (PDS) per Bus durch die Stadt tourten. »Ohne Politikwechsel im Bund sind die Berliner Probleme nicht zu lösen.« Gleichwohl bleibe die Frage, was die Berliner Landespolitik besser machen kann als bisher. »Die soziale Stadt« ist ein Zukunftsthema, wenn nicht gar das Thema. Deshalb widmet die PDS ihm einen eigenen Landesparteitag.

Die Pressetour steuert Kreuzberg an, den Wrangel-Kiez. Im Nachbarschaftshaus »Centrum« werden die PDS-Politiker bereits erwartet, vor allem von Frauen, viele mit Kopftüchern. 40 Prozent der Berlinerinnen und Berliner, die hier leben, kamen einst aus der Türkei. »Leitbilder für Integration gibt es viele. Wir leben sie«, sagt die engagierte Erika Hausotter. Und sie weiß auch das: »Kommen die Frauen zu uns, dann haben wir die ganze Familie.« Im Flur wirbt eine Einladung für eine neue Schule. Noch gibt es sie nicht. Aber wenn, dann soll man dort gemeinsam von der ersten bis zur zehnten Klasse lernen können. Derweil schildert ein Unternehmer sein Pilotprojekt, eine Agentur für türkische Gewerbetreibende und Existenzgründer. Sie berät, sie bildet fort und sie kümmert sich um Ausbildungsplätze.

» Wir haben nicht viel zu verteilen, aber was wir verteilen, soll gerecht und wirksam sein.« Stadträtin Katrin Lompscher (PDS) kennt ihr Lichtenberg und sie wirbt für ihr »Konzept der Gemeinwesen-Entwicklung«. Das klingt hölzern, beschreibt aber Neuland. Und sie schildert am Beispiel eine weitere Leitlinie für eine soziale Stadt. Die Berlinerinnen und Berliner sollen mehr mitentscheiden können, auch in Haushaltsfragen. Deshalb wird in Lichtenberg derzeit ein Bürgerhaushalt getestet, mit wachsendem Zuspruch.

Die soziale Stadt ist ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Das wurde umso klarer, je intensiver der PDS-Parteitag – ressortübergreifend – vorbereitet wurde.

Siehe auch: www.pds-berlin.de.

Rainer Brandt