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BerlinInfo | Ausgabe Oktober 2006, Seite 1

Wofür es lohnt zu verhandeln.

Ich habe sie selbst erlebt: unglaublich engagierte Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer, wochenlang und bis zur Erschöpfung, voller Hoffnung und nun umso enttäuschter. Und ich habe erstmals erfahren, wie es ist, wenn man an einem verlorenen Wahlabend vor die Kameras muss, wohl wissend, jedes Wort wird gedeutet und jede Mimik kommentiert. Man könnte heulen, darf es aber nicht. Obwohl es zutiefst menschlich ist und schon Karl Marx meinte: »Nichts Menschliches ist mir fremd.«

Er hatte noch weitere Maximen. Zum Beispiel: »An Allem ist zu zweifeln!« Mein Lieblingssatz, und deshalb zweifele ich auch an allen schnellen Antworten auf die Frage nach den Ursachen unserer Wahlniederlage. Es gibt sie, selbstverständlich. Es gibt sogar viele, das ist naheliegend. Aber es gibt nicht die Ursache. Das wäre zwar prima, weil leichter zu reparieren. Aber »die Verhältnisse sind nicht so«, würde Bert Brecht sagen. Also bitte ich als Landesvorsitzender um jede Sicht, und ich bitte zugleich um jede Nachsicht. Denn niemand ist allwissend, ich bin es bestimmt nicht.

Allerdings: Ich mahne nicht nur, ich dränge auch. Die Linkspartei.PDS ist mit ihren politischen Angeboten, mit ihren Werten und Sichten unverzichtbar. Gerade in Berlin, der einzigen Ost-West-Stadt, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.

Ich will ein besseres Schulsystem, ich will gut geführte Landesbetriebe und ich will den Einstieg in einen öffentlichen Beschäftigungssektor. Ich will keine Studiengebühren, ich will keine privatisierte BVG und ich will keine Massenentlassungen im Öffentlichen Dienst.

Genau das aber ist die politische Alternative, die in Berlin aktuell verhandelt und demnächst – so oder so – von der SPD entschieden wird. Und natürlich auch von uns.

 
Klaus Lederer
Landesvorsitzender