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BerlinInfo | Ausgabe Februar 2007, Seite 1

Wider das Schweigen

Im Dezember weihte der Förderverein Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung, in dem Mitglieder der Linkspartei, der SPD und Parteilose aktiv sind, in Friedrichsfelde einen Gedenkstein für die »Opfer des Stalinismus« ein. Zu ihrer Überraschung hagelte es Proteste. Der Hauptvorwurf: Die Widmung sei viel zu allgemein. Der Begriff des Stalinismus diene lediglich der Diffamierung der DDR und der sozialistischen Idee. Selbst Nazis und Kriegsverbrecher würden als Opfer desselben bezeichnet.

Das mag sein. Gesellschaftlicher Konsens ist dieses Verständnis jedoch noch nicht. Umso verwunderlicher ist es, dass viele Linke diese unsägliche Interpretation übernehmen.

Das bekannte Referat auf dem Sonderparteitag 1989, das als Gründungskonsens unserer Partei gilt, war mit dem Versprechen überschrieben: »Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System.« Niemand hat das damals als Rehabilitierung von Hitlerfaschisten verstanden. In seiner Rede berichtete Prof. Michael Schumann auch, wie in der DDR die Auseinandersetzung mit der Stalinzeit vermieden wurde. Nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass es doch nur »dem Gegner« nutzen würde, den Sozialismus zu diffamieren.

Bekanntlich nutzte »dem Gegner« unser Schweigen viel mehr. Die Chance auf eine innere Erneuerung des Sozialismus nach Stalins Tod wurde verspielt. Wem würde es heute nutzen, wenn wir – aus Furcht vor seiner Instrumentalisierung – den Begriff des Stalinismus streichen, statt zu sagen, was wir darunter verstehen?

 
Klaus Lederer

MdA, Landesvorsitzender