Der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklärt:
Die Herkunft des in Kunstwerke verwandelten Vermögens der Flick-Collection ist blutbefleckt. Dieser Makel bleibt. Der Familienname des Sammlers steht als Synonym für das Sklavenhaltersystem des Dritten Reiches, ohne das es weder seinen mörderischen Krieg noch den damit untrennbar verbundenen Holocaust hätte realisieren können. Es ist zutiefst bedauerlich, dass eine ergebnisoffene Diskussion über das Für und Wider einer Präsentation der Ausstellung in Berlin aufgrund vorweggenommener Entscheidungen kaum möglich war.
Die PDS-Fraktion hat immer deutlich gemacht, dass sie eine Instrumentalisierung der Sammlung, selbst als Vehikel für eine Auseinandersetzung mit dem Zwangsarbeitersystem der NS-Diktatur, für unzureichend hält. Wir forderten auch einen offensiven aufklärerischen Umgang der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der Entstehung des Flickschen Vermögens. Nun droht die Eröffnungsrede des Bundeskanzlers – egal, was er sagen wird – zum berüchtigten »Mantel der Geschichte« zu werden, der sich als Mantel verhüllenden Schweigens wird gebrauchen lassen. Die Opfer des – nicht nur Flickschen – Zwangsarbeitersystems bleiben ohnmächtig draußen vor der Tür.
Die Kulturpolitiker der PDS-Fraktion werden sich an diesem Spektakel nicht beteiligen. Wir fordern statt dessen den Senat auf, seine Bemühungen um die Errichtung des Dokumentationszentrums »Zwangsarbeit in Berlin« in Niederschöneweide zu verstärken. Anstelle instrumentalisierter Debatten tut Aufklärung über das mörderische Sklavensystem des Nazis-Reiches not. Gerade angesichts des am Wochenende wieder offenkundiger gewordenen braunen Bodensatzes unserer Gesellschaft.