Zu den Diskussionen um das gestern von Kultursenator Thomas Flierl (PDS) vorgelegte Konzept zur Gestaltung des Mauergedenkens erklärt der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer:
Das gestern von Senator Thomas Flierl vorgelegte Konzept zur Gestaltung des Mauergedenkens bietet eine tragfähige Grundlage für eine notwendige Versachlichung der Debatte um die Berliner Mauer und den künftigen Umgang mit dem Gedenken um die Opfer des mörderischen Grenzregimes der DDR in unserer Stadt. Nach der verständlichen Abrisseuphorie der frühen 90er Jahre ist es ein überfälliger Schritt, die noch vorhandenen Mauerreste in einem erfahrbaren Zusammenhang den Berlinerinnen und Berlinern und ihren Gästen zugänglich zu machen und ihnen die selbstbestimmte Auseinandersetzung mit diesem weltweit anerkannten Symbol der deutschen Teilung zu ermöglichen. Dazu bedarf es sowohl der Sicherung und Erschließung der noch vorhandenen baulichen Überreste als auch der Zurverfügungstellung notwendiger Hintergrundinformationen. Das in intensiver Zusammenarbeit mit Fachleuten und Vertretern von Opferverbänden erarbeitete Konzept des Senators ist dafür ein erster, allerdings wesentlicher Schritt, der notwendigerweise der Vertiefung bedarf.
Dabei muss in Rechnung gestellt werden, dass dieses Thema mit wenigen Ausnahmen sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene über zehn Jahre beharrlich ignoriert wurde. Dass es erst eines PDS-Senators bedurfte, um hier substantiellere Überlegungen vorlegen zu können, sollte vor allem den Kritikern auf CDU-Seite zu denken geben. Gerade die Berliner CDU forderte in den letzten Monaten die PDS-Kulturpolitik nachhaltig auf, endlich ein Konzept zum Umgang mit dem Mauergedenken vorzulegen. Dieses liegt vor. Dem Anliegen der Opposition wurde entsprochen – und das jetzt zu kritisieren, ist ein zutiefst heuchlerischer Vorgang. Im Gegenteil sind jetzt alle aufgefordert, sich an der Qualifizierung des Flierlschen Konzeptes zu beteiligen. Leider verstärkt sich der Eindruck, dass es der Berliner CDU weniger um die Realisierung eines von der Öffentlichkeit der Stadt mehrheitlich angenommenen Gedenkkonzeptes geht, als vielmehr um die Bestätigung eines aus Kalten-Kriegs-Zeiten überkommenen Weltbildes, nach dem die Linken einfach nicht tun dürfen, was ihnen die CDU nicht zubilligt. Für solche ideologischen Grabenkämpfe ist der Umgang mit den Relikten der Berliner Mauer und dem immer noch wirkenden Leid ihrer Opfer einfach das untaugliche Objekt.