Zu den ab August geltenden Fahrpreisveränderungen im Berliner ÖPNV erklärt die verkehrspolitische Sprecherin Jutta Matuschek:
Die politische Schwerpunktsetzung der Koalition, die Schwächsten der Gesellschaft von weiteren Belastungen auszunehmen, ist auch bei den neuen Fahrpreisen deutlich geworden. Nach der Einführung der Sozialkarte bleiben Schüler- und Geschwistertickets sowohl im Preis als auch in ihrer Verkaufsweise stabil. Das ist kein Makel, sondern ein Gewinn für Berlin.
Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben bei den Berliner Verkehrsunternehmen ist nach wie vor hoch. Auch deshalb standen die Fahrpreisveränderungen unter der Prämisse, die Einnahmen der Verkehrsunternehmen steigern zu müssen. Nach eigenen Angaben der Unternehmen würden durch die von ihnen erarbeitete Preistabelle die geplanten Einnahmen realisiert werden können. Doch sind nach wie vor Zweifel an dieser Preispolitik berechtigt und deutliche Kritik nötig.
Insbesondere die BVG hat im vergangenen Jahr durch verschiedene Maßnahmen ihre Einnahmen aus Fahrscheinverkäufen überplanmäßig steigern können. Bei der letzten Preisrunde waren die Monatskartenbesitzer, also die Stammkunden des Nahverkehrs besonders drastisch betroffen. Dieser Kurs wird jetzt fortgesetzt. Ausgerechnet die Jahreskartennutzer, also die treuesten Kunden, müssen diesmal überproportional in die Tasche greifen. Der Preisvorteil zwischen Jahreskarte und Abonnement reduziert sich auf 1,67 Euro im Monat. Da wird Kundenbindungspotential bewusst verspielt.
Völlig unverständlich ist die Kritik des Vorstandsvorsitzenden der BVG Andreas von Arnim an seiner eigenen Preispolitik. Keiner außer ihr selbst zwingt die BVG, den Einzelfahrschein zu erhöhen. Im Übrigen ist die BVG nach dem Unternehmensvertrag nicht nur berechtigt, die Preise zu erhöhen, sondern auch verpflichtet, die Fahrgastzahlen zu steigern. Es bleibt ihr Geheimnis, wie sie das anstellen will, nachdem viele treue Kunden durch das neue Liniennetz erheblichen Belastungen durch Reisezeitverlängerung und zusätzliche Erschwernisse beim Umsteigen verärgert wurden. Der Vorstandsvorsitzende sollte sich um seine mangelnde Kundenfreundlichkeit sorgen, statt immer wieder andere für seine zweifelhafte Unternehmenspolitik verantwortlich zu machen.