Zum Aufruf der Türkischen Gemeinde zu einer Demonstration am 19. Juni in Berlin erklärt das Mitglied des Fraktionsvorstandes Evrim Baba:
Mit dieser Demonstration setzt die Türkische Gemeinde Berlin ihre Kampagne gegen die Bewertung der Massaker des Osmanischen Reiches an den Armeniern als Völkermord fort.
Die Äußerungen des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde zu Berlin, Taceddin Yatkin, gegenüber Radio Multikulti zeigen, dass zumindest hinsichtlich der Leugnung historischer Fakten und dem Verdrehen der Ursachen und Folgen von Krieg und Vernichtung sein Integrationsprozess in die deutsche Mehrheitsgesellschaft erfolgreich stattgefunden haben muss. Während in der Bundesrepublik im 60. Jahr der Befreiung vom Nationalsozialismus ein roll-back zu verzeichnen ist, der mit dem unterschiedslosen Gedenken einer Vermischung von Opfern und Tätern Vorschub leistet, sehen sich die Türkei und auch viele Berliner/innen türkischer Herkunftssprache in historischer Kontinuität als Opfer.
Doch wer die Zukunft gestalten will, muss sich mit der Geschichte auseinandersetzen. Dazu gehören auch die »dunklen« Seiten. Allerdings gilt dies auch für die deutsche Geschichtsschreibung. Die Tatsache, dass die deutsche Reichsregierung und das deutsche Militär maßgeblich in den Völkermord involviert waren, wurde lange Zeit ignoriert oder verharmlost. Das deutsche Reich deckte nicht nur den Völkermord des Weltkriegsverbündeten, sondern unterstützte das Osmanische Reich bspw. mit der Entsendung einer einflussreichen »Militärmission«.
Soll es im ethnisch pluralistischen Berlin eine gemeinsame friedliche Zukunft geben, müssen sich alle Beteiligten über ihre Rolle bei dem Völkermord an den Armenier bewusst werden. Das gilt in diesem Zusammenhang auch für die unrühmliche Rolle vieler Kurdinnen und Kurden. Dieser schmerzliche Prozess muss auf allen Seiten stattfinden.