Zur von Fachkreisen öffentlich gemachten Kritik an der Machbarkeitsstudie erklärt der baupolitische Sprecher Michail Nelken:
Die Fraktion unterstützt die immer lauter werdenden Einwände an der von Bund und Land vorgelegten Machbarkeitsstudie zum Stadtschloss und fordert realistische Vorschläge für die Errichtung eines öffentlichen Humboldtforums in der Mitte Berlins.
Die Machbarkeitsstudie hat das politisch Gewollte – öffentliches Humboldtforum und private Nutzung in Grundrissen und Schnitten des alten Stadtschlosses mit historischer Fassade – in einem vorgegebenen Kostenrahmen keineswegs so vorbehaltlos und unproblematisch testiert, wie es die Auftraggeber der Öffentlichkeit einzureden versuchen. An mehreren Stellen können die Verfasser nicht verbergen, dass die Bindung an Schlossgrundrisse, Schnitte und historische Fassade eine für die vorgesehene Hauptnutzung optimale Gestaltung des »Neubaus« verhindern. Erhebliche Teile der Museums- und Ausstellungsflächen müssten in die Kellergeschosse und/oder Anbauten außerhalb der Schlosskubatur verlagert werden.
Die künftigen Untergeschosse, so die Gutachter, stellen für eine effiziente Nutzung die wichtigsten Bauteile dar. Sie bergen aber auf Grund des problematischen Baugrundes (Grundwasser, Spree, U-Bahn, Versorgungsleitungen) auch die meisten Unbekannten.
Auch die Möglichkeit einer öffentlich-privaten Mischnutzung und Mischfinanzierung wird mit vielen Einschränkungen und Bedingungen empfohlen. Letztlich wird ein rentierlich privates Investment nur noch für einen Hotelanbau an der Spree für möglich gehalten. Selbst wenn man den Vorwurf gegen die Verfasser der Machbarkeitsstudie außer Acht lassen würde, dass erhebliche Kosten bzw. Kostenrisiken bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht berücksichtigt worden seien, bliebe ein virulentes Kosten- und Finanzierungsrisiko über den angenommenen »worst case« hinaus.
Es ist an der Zeit, auch aus diesen Gründen die Idee des Humboldtforums in der Mitte der Stadt von der nostalgischen Scharade der simulierten Schlosshülle zu befreien. Nichts könnte deutlicher Berlins Willen auf eine Zukunft mit Kultur und Wissenschaft ausstrahlen als die Errichtung eines öffentlichen Humboldtforums an diesem Ort, das sich auch in seiner Gestalt in Respekt vor den Leistungen der Vergangenheit und Gegenwart präsentiert.