Zur Debatte um die Integration von Migrantinnen und Migranten erklärt Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf:
Die streckenweise populistisch geführte Debatte um die Rütli-Schule verdeckt die eigentlichen Probleme aber auch die Chancen. Die Probleme dort stehen stellvertretend für die vieler Schulen in den deutschen Ballungszentren. Sie sind eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, nicht nur für Lehrer, Schüler und ihre Eltern. Die Probleme haben vor allem soziale Ursachen: Wer für sich nur wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt sieht, wird auch keinen Sinn darin erkennen, einen qualifizierten Schulabschluss zu erreichen.
Wir brauchen eine grundlegende Reform des Bildungssystems. Das dreigliedrige Schulsystem ist schon lange nicht mehr in der Lage, Kinder und Jugendliche in der sich rasant verändernden internationalisierten Gesellschaft zukunftsfest auszubilden. Wir brauchen eine Schule für alle, die Leistungsstarke und weniger Leistungsstarke, Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Behinderungen zu berufsquali-fizierenden Abschlüssen führt.
Die brachiale Rausschmeißer-Rhetorik der letzten Tage löst keine Probleme sondern schafft neue. Wir müssen für Jugendliche Integrationsangebote schaffen, statt sie auszuweisen. Die wichtigsten Integrationsmotoren sind Bildung und Arbeit. Die müssen wir zu höheren Leistungen treiben.
In Berlin gibt es bereits viele engagierte Projekte und viele sinnvolle Ansätze, Jugendliche mit Migrations-hintergrund zu einer Berufsausbildung zu befähigen und zu motivieren. Diese müssen wir fördern statt eine unsinnige Ausgrenzungsdiskussion vom Zaun zu brechen. Mit Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds haben wir zum Beispiel in diesem Jahr Maßnahmen für insgesamt 1.500 Jugendliche eingerichtet, um ihnen zur Ausbildungsreife zu verhelfen.
Eine Fachtagung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen hat gestern eine ganze Reihe von vorbildlichen Projekten vorgestellt. Senats- und Bezirksverwaltungen, Schulen, Jobcenter, Kammern und Unternehmen arbeiten längst jenseits aller Sensationshascherei am gemeinsamen Ziel: mehr Jugendliche in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Dazu gehören die unterschiedlichsten Projekte:
• | Wirtschaftspartner wie die Deutsche Bank oder die Hertie-Stiftung finanzieren Praktikanten-Programme und Schulstipendien. |
• | Das Projekt ProPolska organisiert deutsch-polnische Ausbildungsgänge im kaufmännischen Bereich mit polnischen Partnerbetrieben. |
• | Lerncoaches begleiten Jugendliche während Schule, Ausbildung und dem Übergang zur ersten Arbeitsstelle. |
• | Im Netzwerk Berliner Hauptschulen arbeiten Schulen, Berufsberatungen, Berliner Unternehmen und die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (uvb) gemeinsam daran, den Übergang von Hauptschul-abgängern in die betriebliche Ausbildung zu verbessern. Elf Schulen und 20 Unternehmen beteiligen sich an diesem Pilotprojekt. |
Dabei dürfen wir auch nicht vergessen: Täglich gelingen in Berlin Integrationskarrieren: 28.000 der insgesamt 202.000 Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer haben nicht-deutsche Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer – mit steigender Tendenz. Alleine 6.600 Firmen in Berlin gehören türkischstämmigen Unternehmerinnen und Unternehmern. Gerade die Unternehmen türkischer Herkunft bilden verstärkt junge Menschen aus. Mittlerweile liegt die Quote bei rund 15 Prozent, mehr als in den Jahren zuvor.