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21. April 2006 Linkspartei.PDS im Abgeordnetenhaus

Lesen gegen das Vergessen auf dem Bebelplatz

Der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer erklärt:

Am Sonntag, dem 23. April 2006, wird anlässlich des »Welttages des Buches« auf dem Berliner Bebelplatz der »Bücherturm« zur Erinnerung an die wegweisende Erfindung Johannes Gutenbergs übergeben. Am 10. Mai beteiligt sich die Linkspartei.PDS-Fraktion am selben Ort an der Aktion »Lesen gegen das Vergessen«.

Gutenbergs Buchdruckverfahren mit beweglichen Lettern brach das Bildungsmonopol der klerikalen und vermögenden Kreise des Mittelalters. Es ist kein Zufall, dass die Dunkelmänner aller Zeiten und Regionen dieser Welt immer wieder gegen die Freiheit des Wortes zu Felde zogen und ziehen. Der Berliner Bebelplatz ist dafür ein zutiefst symbolischer Ort: Hier verbrannten am 10. Mai 1933 die Nazis ebenso wie in anderen Städten Deutschlands die Werke von Geistesschaffenden mit Weltrang. Dieser barbarische Gewaltakt am 10. Mai 1933 war nur der Auftakt für immer länger werdende Verbotslisten, Zensur und Verfolgung. Es war ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zur Diktatur und in den Krieg.

Der 10. Mai ist uns wie in jedem Jahr Anlass, von 10.00 bis 13.00 Uhr die Bücher der Verfolgten in die Hand zu nehmen und darin zu lesen. Das öffentliche Lesen soll an das ungeheuerliche Geschehen erinnern. Hier sollte der Geist aus der Stadt getrieben werden – hier muss er wieder seinen Platz finden. Wir wollen dazu beitragen, dass solches nie wieder geschehen kann. Die diesjährige Leseaktion beginnen Schülerinnen und Schüler der Oskar-Schindler-Gesamtschule Berlin mit einem eigenständigen Projekt »Gegen das Vergessen«. Dies ist eine der Würde des Platzes angemessenere Reaktion als die Aufstellung grinsender »Buddys«.