Zurück zur Startseite
19. Januar 2006 Aus dem Senat

Palastabriss in eine ungewisse Zukunft - ist ein Dokument des Scheiterns

Zum Abrissbeschluss des Deutschen Bundestages erklärt Kultursenator Thomas Flierl:

Der heutige Parlamentsbeschluss ist ein Dokument des Scheiterns der Bundespolitik, die es versäumt hat, das Projekt eines Humboldt-Forums vor Abriss des Vorgängerbaus zu präzisieren und so zu beschließen. Es wird ein Abriss in eine ungewisse Zukunft. Der Mehrheitsbeschluss ist mutwillig verfrüht getroffen, weil der Palast-Rohbau selbst nach den Planungen des Bundesbauministeriums noch bis 2010 hätte weitergenutzt werden können.

Die Siegerpose, ein selbst ruiniertes Gebäude abzureißen, vollendet die ideologische Gespensterdebatte Schloss versus Palast. Der Beschluss trifft nicht nur Menschen, die sich für den Erhalt ihres »Palastes der Republik« engagiert haben, sondern auch jene junge kreative Generation der Einheit, die mit der Zwischennutzung gezeigt hat, dass sich der »Rohbau der Republik« als Plattform für die Entwicklung des Humboldt-Forums eignet.

Deutschland braucht in der Mitte seiner Hauptstadt ein Kultur- und Wissensforum des 21. Jahrhunderts. Die Fixierung auf das Schloss wird weder die bundesweit notwendige Unterstützung für ein solches »grand project« mobilisieren, noch den funktionalen Anforderungen eines Humboldt-Forums gerecht.

Wenn es jemals ein Humboldt-Forum geben wird, wird es aus funktionalen Gründen dem Palast ähnlicher sein müssen als dem Schloss. Offenbar kann auch diese Einsicht wieder erst zugelassen werden, wenn es zu spät ist.