Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, hat heute Pilotprojekte zur Beschäftigung Langzeitarbeitsloser vorgestellt, die noch im September beginnen werden. Sie sollen mit wissenschaftlicher Begleitung demonstrieren, wie durch die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld II und Kosten der Unterkunft sinnvolle, dem Gemeinwohl dienende Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden können, ohne dass dies gegenüber den jetzigen, so genannten Ein-Euro-Jobs Mehrkosten verursacht.
Harald Wolf dazu:
»Auch wenn die Konjunktur anspringt und derzeit auch in Berlin wieder neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, werden viele Langzeiterwerbslose auf absehbare Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig Chancen haben. So sind sie derzeit von ALG II abhängig, obwohl sie etwas leisten wollen und Qualifikationen mitbringen.
Dabei gibt es in unserer Gesellschaft viel Arbeit, die dringend getan werden müsste, aber derzeit nicht finanziert wird. Dazu gehört beispielsweise die Unterstützung älterer Menschen oder die Betreuung von Kindern. Warum also nicht gesellschaftlich sinnvolle Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren? Warum Langzeitarbeitslose in kurzfristige Ein-Euro-Jobs einweisen, wenn sie anderswo langfristig wertvolle Arbeit leisten können?
Zur Finanzierung dieser Beschäftigungsmaßnahmen müsste man Zahlungen an Langzeitarbeitslose für die Wohnung, den Lebensunterhalt sowie die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zusammenfassen. Aber die Bundesregierung weigert sich derzeit noch, die dazu nötige, einfache Rechtsänderung durchzuführen. Bis es soweit ist, werden wir in Berlin in einem Modellversuch zeigen, dass es Sinn macht, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren.«
Bei den Modellmaßnahmen geht es um gesellschaftlich anerkannte Tätigkeiten und Angebote, die derzeit weder von privaten Unternehmen noch von staatlicher Seite angeboten werden. Sie sollen keine Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt verdrängen.
Die Maßnahmen sollen langfristig (bis zu drei Jahre) eingerichtet werden und motivierten Langzeitarbeitslosen angeboten werden, die in absehbarer Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, weil entsprechende Arbeitsstellen fehlen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt mit regulären, gesetzlich abgesicherten Arbeitsverhältnissen zu bestreiten.
Die Finanzierung erfolgt durch Eingliederungsmittel der JobCenter. Rechnerisch sollen die derzeitigen, so genanten passiven Leistungen (ALG II, Kosten der Unterkunft, Pauschalsätze zur Sozialversicherung) sowie die Aufwendungen für die Teilnahme an einer Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung zusammengefasst werden. Eigenbeteiligungen der Träger sowie Drittmittel sollen diese Finanzierung ergänzen.
Vor einer möglichen Rechtsänderung durch die Bundesregierung soll modellhaft erprobt werden, unter welchen Bedingungen eine solche Förderung Erfolg verspricht. Die Modellmaßnahmen werden wissenschaftlich evaluiert, ein Beirat begleitet sie. Umgesetzt werden die Maßnahmen technisch als Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante oder auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (für Ältere ab 55 Jahren).
Die Modellmaßnahmen im Einzelnen: