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29. März 2007 DIE LINKE im Abgeordnetenhaus

Koch, Naumann und Co. betrügen Berlin um die Früchte der Konsolidierung

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Liebich erklärt:

Das Minderheitenvotum von Prof. Dr. Peter Bofinger zur Expertise des Sachverständigenrates über die Begrenzung der Staatsverschuldung macht deutlich, wohin die Aufkündigung der Solidarität der Bundesländer wie sie Hessens Ministerpräsident Koch (CDU) und der Hamburger Bürgermeisterkandidat Naumann (SPD) anlässlich der Föderalismuskommission II vorschlagen, führen würde. Denn nichts anderes würde die Aufkündigung des Solidarpakts (Naumann) bzw. die Einführung einer »Schuldenschranke« (Koch und andere) bedeuten.

Prof. Bofinger beschreibt – bezogen auf das Modelljahr 2005 – für Berlin eine zusätzliche Konsolidierungslast von 3,5 Mrd. Euro bzw. einen Abbau der Personalausgaben für aktive Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Höhe von 65%. Aber auch die als Kompensation vorgeschlagene Einführung eines Hebesatzrechts der Länder für die Lohn- und Einkommensteuer würde angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage nicht helfen, wie die Antwort des Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin auf meine Kleine Anfrage beweist.

Diesen Weg zu gehen, würde für Berlin bedeuten, dass es um die Früchte der bisherigen erfolgreichen Konsolidierungspolitik betrogen würde. Ich fordere daher die Berliner Mitglieder der Föderalismuskommission, Klaus Wowereit und Thilo Sarrazin auf, sich stattdessen für ein Festhalten am Staatsziel der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse einzusetzen und sich gegen Verschuldungsverbote und für ein Festhalten am Solidarpakt auszusprechen.

 



Anlage 1: 
Aus dem Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zum Thema »Staatsverschuldung wirksam begrenzen«, S. 168 unter: http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/press/fipo07.pdf

Bundesland

»Konsolidierung« in Mio. Euro

Baden-Württemberg

1061

Bayern

X

Berlin

3550

Brandenburg

1498

Bremen

686

Hamburg

629

Hessen

1127

Mecklenburg-Vorpommern

1170

Niedersachsen

1993

Nordrhein-Westfalen

1760

Rheinland-Pfalz

336

Saarland

604

Sachsen

1767

Sachsen-Anhalt

1939

Schleswig-Holstein

1240

Thüringen

1846

 

Anlage 2
(aus der Beantwortung der Kleinen Anfrage von Stefan Liebich, Drs. 16/10320) Bruttoeinnahmen (Landesanteile) bei der veranlagten Einkommensteuer (ESt) und der Lohnsteuer (LSt), Netto-Neuverschuldung (NKA) und theoretischer Hebesatz (Mio. € bzw. %)

ESt (Brutto)

LSt (Brutto)

Summe

NKA

Theoretischer
Hebesatz

1998

68

2.761

2.829

2.454

187 %

1999

150

2.762

2.912

2.079

171%

2000

255

2.783

3.038

1.937

164%

2001

242

2.653

2.895

4.896

269%

2002

203

2.709

2.912

6.043

308%

2003

179

2.594

2.774

4.064

247%

2004

197

2.412

2.608

4.382

268%

2005

233

2.275

2.508

3.513

240%

2006

328

2.278

2.606

1.788

169%