Der Philosoph Wolfgang Harich (1923-1995) wird wohl von den meisten Menschen zunächst mit der nach ihm benannten Gruppe in Verbindung gebracht, die 1956 die Absetzung Walter Ulbrichts erstrebte.
Harich wurde damals verhaftet, in einem Schauprozess zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt und nach 8 Jahren geläutert entlassen. Fortan lebte er mit kurzen Unterbrechungen in der DDR, hütete sich davor, die DDR und die SED öffentlich zu hinterfragen und profilierte sich stattdessen als einer der ersten Marxisten in der DDR, die die Umweltproblematik ernst nahmen. In den achtziger Jahren kritisierte er die Kulturpolitik der SED von links und trotz aller Auseinandersetzungen mit der SED setzte er sich nach 1990 mit all seinem Renommee für einen differenzierten und gerechten Umgang mit der DDR in der Geschichtsschreibung ein.
Ihm ging es darum, eine antikommunistische Instrumentalisierung und Diffamierung der DDR im Geschichtsbild des wiedervereinten Deutschlands zu vermeiden. Zu diesem Zweck engagierte er sich führend in der "Alternativen Enquetekommission Deutsche Zeitgeschichte".
In der Veranstaltung sollen Harichs letzte Lebensjahre beleuchtet werden. Es ist zu klären, warum er sich so vehement gegen die zeitgenössische Verdammung und Pauschalisierung der DDR wehrte, warum er 1994 in die PDS eintrat und wie weit sein Denken und Engagement in dieser Zeit auch noch in andere Richtungen ging.
Referenten: Prof. Dr. Siegfried Prokop, Alexander Amberger
Moderation: Alexander Amberger
Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen der Geschichtskommission und Helle Panke e.V. statt.