19 Uhr in der Roten Insel
Buchlesung mit
Burkhard Jacob, Pfahl im Fleisch- Geschichte der Sozialistische Einheitspartei in Westberlin (SEW)
Der Autor Burkhard Jakob, lange Jahre aktiver Gewerkschafter und von 1975 bis 1980 selbst Mitglied der SEW, hat in seinem vor kurzem im Pahl Rugenstein Verlag erschienenen Buch nicht nur die Geschichte der SEW nachgezeichnet, sondern auch eine Geschichte Berlins aus linker Perspektive geschrieben.
Die SEW trug ihren Namen seit 1969. Sie war aus der SED-Westberlin hervorgegangen, die sich nach dem Mauerbau als eigenständige kommunistische Partei in Westberlin konstituiert hatte.
In Abgrenzung zu anderen Publikationen beleuchtet Burkhard Jakob die zunehmende Blockkonfrontation im Kalten Krieg, die sich in Berlin an der Nahtstelle der Systeme in einer beispiellosen antikommunistischen Atmosphäre auf der Westseite niederschlug.
Vor diesem Hintergrund und durch die weiter bestehende enge Beziehung mit der SED war der Spielraum der Partei für ihre Politik in Westberlin begrenzt. Zwar konnte die SEW aufgrund beschränkter Wahlergebnisse nicht in das Berliner Abgeordnetenhaus oder in die Bezirksverordnetenversammlungen einziehen, sie war jedoch insbesondere in den 70 er und 80 er Jahren in den außerparlamentarischen Bewegungen verankert und konnte dort einen zum Teil erheblichen Einfluss ausüben.
Das Buch veranschaulicht viele Innenansichten des Parteilebens mit seinen internen und äußeren Auseinandersetzungen in der langen Epoche des Kalten Krieges.
"Diese Arbeit über die Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei (in) Westberlin einschließlich ihrer politischen Wurzeln schildert gleichzeitig die Wirkungen des Kalten Krieges in Berlin. Damit wird ein historiographisches Defizit beseitigt, denn in früheren Publikationen, die sich mit der SEW und ihrer Geschichte auseinandersetzen, blieb die Westberliner Vorgeschichte zwischen 1946 und der konstitutionellen Gründung der SED-Westberlin im Jahre 1962 unberücksichtigt..."