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»Die Stadt und der Sport ehren Werner Seelenbinder«. So war eine Veranstaltung der PDS am 2. August 2004 vor dem »Stadion Neukölln« überschrieben. Stefan Liebich bedauerte in seiner Rede, dass es nicht mehr den Namen »Seelenbinder« trage. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Stefanie Vogelsang (CDU) versprach sich dafür einzusetzen, dass das Stadion wieder nach dem Arbeitersportler, Antifaschisten und Kommunisten benannt wird. Der Präsident des Landessportbundes, Peter Hanisch, erinnerte an den Widerstand Seelenbinders gegen das Hitler-Regime. Werner Seelenbinder habe im faschistischen Zuchthaus mutig und standhaft das Leben seines Vaters gerettet, erzählte Otto Rochler. Der Berliner Ringerverband, so Präsident Claus Baumhauer, führt mit internationalen »Seelenbinder-Turnieren« eine gute Tradition fort.
An der Ehrung nahmen ca. 100 Sportler, Antifaschisten, Politiker und Gewerkschafter teil. So auch Peter Senft von der IG-Metall Berlin und der Direktor der »Werner-Seelenbinder-Schule« in Berlin-Lichtenberg, Dr. Neumes. Sportsenator Klaus Böger (SPD) wünschte der »Berliner Ehrung für Werner Seelenbinder« ausdrücklich einen erfolgreichen Verlauf.
Werner Seelenbinder wurde vor 100 Jahren geboren. Zahlreiche Medien griffen den Anlass auf. Auch das »Neue Deutschland« würdigte Seelenbinder unter der Überschrift »Die Nazis töteten ihn, andere schweigen ihn tot« und es berichtete über die Gedenkfeier in Neukölln.
Übrigens:
Am 5. September 2004 führt die Berliner PDS wieder ihre Friedens-Rad-Tour durch. Sie steht diesmal unter dem Motto »Werner Seelenbinder – Widerstand in Berlin«. Sie beginnt 11.45 Uhr am Olympia-Stadion und endet am Grab von Werner Seelenbinder in Neukölln.
Axel Hildebrandt
Pressesprecher
(PDS-Landesvorsitzender)
Heute, vor 100 Jahren, wurde Werner Seelenbinder geboren. Am 24. Oktober 1944 wurde er von den Nazis hingerichtet. Vom selben Tag ist ein Ab-schiedsbrief erhalten. Er spricht für sich und natürlich für Werner Seelenbinder. Deshalb rufe ich Auszüge in Erinnerung:
»Die Stunde des Abschieds ist nun für mich ge-kommen. Ich habe in der Zeit meiner Haft wohl alles durchgemacht, was ein Mensch so durchmachen kann. Krankheit und körperliche und seelische Qualen, nichts ist mir erspart geblieben.
Es waren schöne Stunden, die ich mit Euch verlebt habe, und ich habe in meiner Haftzeit davon gezehrt und mir diese herrlichen Zeiten zurück gewünscht. Das Schicksal hat es nun leider nach langer Lei-denszeit anders bestimmt.
Ich weiß aber, dass ich in den Herzen von Euch und auch bei vielen Sportanhängern einen Platz gefun-den habe, den ich immer darin behaupten werde. Dieses Bewusstsein macht mich stolz und stark und wird mich in letzter Stunde nicht schwach sehen.«
Wir haben uns heute versammelt, um den Platz, von dem Werner Seelenbinder schrieb, zu stärken: Im Herzen, mit Verstand und an historischer Stelle. Denn am 29. Juli 1945 wurde die Urne Werner Seelen-binders hier beigesetzt, an der Heimstätte seines früheren Vereins SC Berolina 03. Wenig später erhielt das Stadion Neukölln den Namen »Seelenbinder-Kampfbahn«. Ich finde es gut, dass sich die BVV-Neukölln auf Antrag der PDS in diesem Jahr wieder dieser Gedenkstätte angenommen hat. Und ich finde es schade, dass dieses Stadion nicht mehr nach Werner Seelenbinder benannt ist.
»Die Stadt und der Sport ehren Werner Seelen-binder«. So haben wir unser Meeting überschrieben und dazu heiße ich alle herzlich willkommen. Ich freue mich, dass Peter Hanisch, Präsident des Lan-dessportbundes, sprechen wird, ebenso Claus Baumhauer, Präsident des Berliner Ringerverban-des. Gekommen sind Sportler, namhafte und hoff-nungsvolle, Antifaschistinnen und Antifaschisten, Berlinerinnen und Berliner sowie Gäste aus Nah und Fern, die Werner Seelenbinder ehren wollen.
Ich begrüße ausdrücklich auch alle Vertreterinnen und Vertreter der Medien. Denn es ist überfällig, dass Werner Seelenbinder im öffentlichen Bewusstsein wieder den Platz einnimmt, der ihm gebührt. Und mit ihm die vielen und doch zu wenigen, die Widerstand gegen das Hitler-Regime geleistet haben.
Für mehrere Zeitungen und Sender war der 100. Geburtstag Werner Seelenbinders Anlass, über ihn zu berichten, auch über den Umgang mit seiner Geschichte. Die Märkische Allgemeine schrieb heute:
»Das Andenken an den Athleten verblasst, mög-licherweise auch, weil westdeutsche Historiker Berührungsängste haben, und weil in Ostdeutsch-land nach der Wende eine gewisse Ermüdung eingetreten ist.«
Anfang März fand in Berlin erneut ein Werner-Seelenbinder-Turnier statt. Es führte junge Ringer aus mehreren Bundesländern zusammen. Ich weiß das auch deshalb, weil Petra Pau und damit die PDS im Bundestag, Schirmfrau war. Noch wichtiger aber ist, dass der Berliner Sport bewusst an Traditionen anknüpft, die gut sind und aktuell bleiben. Dasselbe wollen wir heute tun.