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12. Juni 2014Martina Michels

Kicken ohne Kommerz!

Die Mehrheit der Brasilianer erklärte in einer großen repräsentativen Umfrage im April 2014, dass sie sich nicht noch einmal für Brasilien als Sitz der Weltmeisterschaft aussprechen würde. Sie gehen davon aus, dass die WM mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt. Wir lieben Fußball – was rund um die WM in Brasilien stattfindet ist allerdings eine Schande. Als linke Fußballfans wollen wir deutlich machen, wie gravierend Korruption, Kommerz und Repression, allen voran durch die FIFA, aber auch durch deutsche Industrie und Großkonzerne vorangetrieben werden.

Gemeinsam mit dem Brüsseler Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung startete die Kampagne »Kicken statt Kommerz!« mit der Vorstellung des Buches «Fußball in Brasilien: Widerstand und Utopie«. Mit-Herausgeber Christian Russau stellte im Europäischen Parlament einige Fakten vor: »Es ist bekannt, dass die Militärpolizei von Rio de Janeiro zu den berüchtigtsten Polizeieinheiten der Welt gehört. Diese Polizeikräfte sind in Brasilien in etliche Tötungen und Gewaltdelikte verwickelt. Die Volkswagen AG beispielsweise hat dennoch Wasserwerfer zur Unterdrückung von demokratisch legitimierten Straßenprotesten nach Brasilien geliefert.« Mitglieder der berüchtigten BOPE-Spezialeinheit der Militärpolizei waren im Herbst 2013 in Deutschland. Dort seien diese von BKA und SEK in »einer üblichen Fußballspielsituation« geschult worden: Geiselnahmen, Bus- und Flugzeuginterventionen, zudem Schießtraining und Schulungen zur Selbstverteidigung. Dies geht aus einer kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der LINKEN hervor.

Im Profisport geht es längst nur noch um den Profit und dieser nimmt immer absurdere Ausmaße an. Die WM in Brasilien verschlingt etwa 11 Milliarden Euro, die zum Großteil öffentliche Gelder sind. Die FIFA hingegen könnte in diesem Jahr laut Experten bis zu drei Milliarden Gewinn einstreichen. Die FIFA zerstört den Fußballsport. Das Spitzenpersonal der FIFA könnte problemlos für den Cast einer Neu-Auflage der »Sopranos« herhalten. Von den 25 Mitgliedern des Vorstandes mussten acht in den vergangenen drei Jahren wegen erwiesener Korruption zurücktreten. Die Kombination Fifa+Korruption liefert als Suchbegriff im Internet über 1.000 Einträge. Die mafiöse Gelddruckmaschine FIFA erinnert in ihrer schamlosen offenbar über den Gesetzen stehenden Geschäftspolitik eher an kriminelle Zockerbanken und Hedgefonds. Sie bürden gemeinsam mit den großen Sponsoren der Allgemeinheit hohe Kosten auf und stopfen sich selbst die Taschen voll. Hier muss die Politik einschreiten.