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9. November 2008

Der 9. November

Sinnbild für die widersprüchliche deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts

Am 9. November wird alljährlich an Ereignisse der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts erinnert. 2008 waren zweifach runde Gedenktage zu begehen. Der 90. Jahrestag des Beginns der Novemberrevolution, der Geburtsstunde der ersten deutschen Republik, und der 70. Jahrestag der von den Nazis zynisch als »Kristallnacht« bezeichneten Reichspogromnacht 1938. Und nicht zuletzt ein Ereignis der jüngeren Geschichte, die Öffnung der Mauer am 9. November 1989.

DIE LINKE. Berlin war an vielen Gedenkveranstaltungen zu diesen drei markanten Daten beteiligt.

Am Vormittag erinnerten Genossinnen und Genossen an den Beginn der Novemberrevolution am 9. November 1918. Dies war der Tag, an dem Karl Liebknecht (Gruppe Spartakus/USPD) vom Balkon des Schlosses ausrief: »Parteigenossen, ich proklamiere die freie sozialistische Republik Deutschland, die alle Stämme umfassen soll. In der es keine Knechte mehr geben wird, in der jeder ehrliche Arbeiter den ehrlichen Lohn seiner Arbeit finden wird. Die Herrschaft des Kapitalismus, der Europa in ein Leichenfeld verwandelt hat, ist gebrochen.« Wenige Stunden vorher hatte der SPD-Ko-Vorsitzende Philipp Scheidemann am Reichstag bereits die Republik ausgerufen, um Liebknecht zuvor zu kommen.
Die Revolution wurde bekanntlich in den Januar- und Märztagen 1919 blutig beendet und führte zur Konstituierung der Weimarer Republik. Wir dokumentieren hier die Rede der stellv. Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Genn. Halina Wawzyniak.

Parallel dazu erinnerten Berlinerinnen und Berliner in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße an die Grenzöffnung. Zwischen 1961 und 1989 trennte die Mauer beide Stadthälften, ihr schließlicher Fall war ein Ergebnis der friedlichen Umwälzungen in der DDR.

Am Nachmittag und Abend fanden auf dem Jüdischen Friedhof Prenzlauer Berg in der Schönhauser Allee und in der Berliner Fasanenstraße, dem Zentrum der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, anlässlich des 70. Jahrestags der Novemberpogrome 1938 Gedenkveranstaltungen statt. Die Reichspogromnacht, in der Synagogen brannten, Geschäfte geplündert und jüdische Berlinerinnen und Berliner verschleppt wurden, markiert einen wesentlichen Eckstein auf dem Weg des deutschen Faschismus in die Shoa – von der Ausgrenzung jüdischer Bürgerinnen und Bürger, über ihre Entrechtung und Demütigung hin zum systematischen Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden.
Charlotte Knobloch, die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, rief in ihrer eindrucksvollen Rede vor allem Jugendliche auf: »Lasst Euch von niemandem vorschreiben, wen ihr zu lieben und wen ihr zu hassen habt!«