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12. März 2009

Zum 90. Jahrestag der Novemberrevolution

Mit einer Kranzniederlegung an der Mauer des früheren Friedhofs in der Möllendorffstraße in Lichtenberg gedachte DIE LINKE. Berlin heute der Opfer standrechtlicher Erschießungen in den sogenannten Märzkämpfen 1919. Landesgeschäftsführer Carsten Schatz und ich legten an diesem Ort ein Gebinde nieder. Danach fand im Theater in der Parkaue eine Diskussions- und Erinnerungsveranstaltung zur Novemberrevolution 1918 statt. Dort diskutierten miteinander Prof. Dr. Rürup, Prof. Dr. Materna, Frau Dr. Runge, Florian Wilde und Prof. Dr. Jürgen Hofmann. Mit szenischen Lesungen aus  Zeitzeugenberichten und Literatur sowie Filmausschnitten wurde die Novemberrevolution lebendig gemacht und über ihre Ziele und Wirkungen diskutiert.

Novemberrevolution 1919

Gedenken und Veranstaltung der Berliner LINKEN

Die Novemberrevolution 1918 und ihre Folgen sind im Gedenkjahr 2009 ein wenig in den Hintergrund geraten. Nichtsdestotrotz ist für die einen die Novemberrevolution die Geburtsstunde der deutschen Demokratie und der Weimarer Republik, die es im weiteren Revolutionsverlauf vor einem »bolschewistischen Putsch« zu schützen galt, für die anderen der wegen des Verrats der Mehrheitssozialdemokratie fehlgeschlagene Versuch, ein sozialistisches Deutschland zu errichten. Beides dürfte an der historischen Realität vorbeigehen. Sicher ist, dass der OHL-Chef Ludendorff angesichts der bevorstehenden Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg die Parlamentarisierung des Reichs durchsetzte und Kaiser und Kanzler zur Übergabe der politischen Verantwortung für das Land an die MSPD veranlasste.

Als es dann immer noch nicht den ersehnten Frieden gab und neben der neuen Regierung die »Doppelherrschaft« der Diktatur des Militärs uneingeschränkt fortbestand, brandete die Revolution in den Nordseeküstenstädten los und erfasste binnen weniger Tage das gesamte Land. Von Anfang an versuchte die neue Reichsregierung, die Institutionen der Revolution auf die Plätze zu verweisen – am Ende mit blutigen Aktionen, Belagerungszustand und Bürgerkrieg. Dabei stand diese Revolution zweifelsohne auf Seiten der neuen Regierung, nicht gegen sie. Sie wollte vollenden, was offenbar »von oben« nicht konsequent gelingen wollte: Die demokratische und soziale Erneuerung des Landes, die Abschaffung der Militär- und Bürokratenherrschaft des kaiserlichen Reichs.

Demgegenüber intrigierte die neue Reichsregierung mit der Militärführung gegen die Revolutionäre. Ihr blutiges Ende fanden die Nachgefechte der Revolution in den Märztagen in Berlin-Lichtenberg. Nach Ausrufung des Belagerungszustands und Ausgabe des Noske-Befehls zur standrechtlichen Erschießung von »Spartakisten« blockierten die Freikorpstruppen den Bezirk und machten unbarmherzig mehr als 1.200 Menschen nieder. Die Demokratisierung des Reichs blieb stecken, das Militär hatte Bestand und die Arbeiterbewegung war von nun an so tief und unversöhnlich gespalten, dass das kaum 15 Jahre später furchtbare Folgen zeitigte.

Klaus Lederer