Zurück zur Startseite

1. Oktober 2010

Deutschland feiert 20 Jahre deutsche Einheit.
Wir feiern 200 Jahre BILD-Zeitung!

Eine Hommage an Heinrich von Kleist und Franz Josef Wagner

Das ist die Vorgeschichte: Beim Bier im Frühsommer plagte uns die Sorge, angesichts der anstehenden Einheitsfeiern, zum 20. Jahrestag von Deutschlands Schicksalsstunde, könnte ein anderes frohes Ereignis verblassen, das in die gleichen Tage fällt: Vor nunmehr 200 Jahren gründete Heinrich von Kleist seine »Berliner Abendblätter«, das erste städtische Groschenblatt, die legitime Wurzel des Berliner Boulevardjournalismus. Denn was, bitte, sind 20 Jahre Einheitsdeutschland gegen 200 Jahre BILD? Heut kann Berlin stolz sein auf eine einzigartige Literaturzeitung mit erheblichem Verbreitungsgrad und durchschlagender intellektueller Wirkung. Berlin wäre nicht Berlin ohne BILD! Wir sahen uns an und in diesem Augenblick wussten wir: wir haben eine wichtige Mission.

Der Festakt: Roter Salon, Volksbühne, 1. Oktober 2010, 20.00 Uhr. Es ist soweit: Berlin feiert BILD. Monate konzeptioneller Arbeit zusammen mit Freund Liske machten eine Feierstunde möglich, wie wir sie uns gewünscht hatten. Die Stuhlreihen waren bis auf den letzten Platz gefüllt, die Gemeinde war voller Ergriffenheit angesichts der Vielfalt literarischen Schaffens, das – gedrängt und kurz, dem Jubilar in seiner Schaffensvielfalt und Bedeutung kaum gerecht werdend – von den Mitwirkenden dargeboten wurde: Mit »Der singende Tresen« hatten wir ein zeitkritisches getragen-modernes Ensemble als musikalische Begleitung gewonnen.

Zwei Festvorträgen von Karsten Krampitz und Freund Markus Liske folgte eine Podiumsdiskussion. Unter der sachkundigen und ein wenig dadaistischen Moderation von Jakob Hein trugen Kleist-Expertin Karin Reschke, Matthias Vernaldi von »Mondkalb«, der Autor Gerhard Henschel und Linke-Fraktionschef Gregor Gysi zusammen, was es aus ihrer Sicht zum Jubiläum und zum Jubilar zu sagen gab. Mitdiskutant Gysi warb für leichte Verständlichkeit komplexer Sachverhalte, Matthias Vernaldi erklärte, wie es ist, wenn Menschen mit Muskelschwund Parkinson kriegen, Karin Reschke informierte zum Miteinander Kleists mit Henriette Vogel und Titanic-Besatzungsmitglied Henschel brachte mit einem Harry-Rowohlt-Zitat über die Umbenennung der Kreuzberger Linden- in Axel-Springer-Straße das Ziel des Abends auf den Punkt: »Dann soll´n se doch gleich richtig Nägel mit Köppen machen und Unter den Linden in Unter den Axeln umbenennen!«

So ist es, meinen wir, und freuen uns deshalb besonders, dass – wenn schon nicht Matthias Döpfner oder Kai Diekmann, so doch wenigstens – der BILD-Chefreporter für Politik Hans-Jörg Vehlewald, etwas szeneuntypisch gekleidet und mit einem Kneipenblock ausgerüstet, im Publikum saß und fleißig mitschrieb ... für die Taktik der besetzten Auditorien war das dann allerdings doch etwas wenig. So freuen wir uns, abschließend festhalten zu können: für die nächsten 200 Jahre hat BILD noch einige Reserven!

Karsten Krampitz und Klaus Lederer