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8. Mai 1945
Der Tag der Befreiung

Viele LINKE-Mitglieder aus Berlin haben gestern und heute dem Tag der Befreiung gedacht und ihn gleichermaßen gefeiert, an völlig unterschiedlichen Orten und mit sehr verschiedenen Veranstaltungen. Ob am Mahnmal im Tiergarten, am Treptower Ehrenmal, am Stein in der Ostseestraße, der polnischen Gedenkstele im Volkspark Friedrichshain oder am Hain in der Schönholzer Heide. Gedenken – an die Opfer des Faschismus und den Blutzoll der alliierten Streitkräfte. Feiern – die Tatsache, dass an diesem Tag dieser furchtbare, von Deutschland begonnene 2. Weltkrieg entschieden war und das Nazireich in die bedingungslose Kapitulation gezwungen, dass es in einem beispiellosen militärischen Kraftakt den Armeen der Antihitlerkoalition gelang, die Konzentrationslager zu befreien, die Massenvernichtung von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und anderen Gruppen von Menschen endlich zu beenden, die das barbarische Regime für »minderwertig« hielt, dass am 8. Mai 1945 einer perversen, inhumanen, zivilisationsnegierenden Massenideologie, der Millionen Deutsche willig gefolgt waren, der Boden staatlicher Institutionalisierung entzogen ist.

Das Berliner Abgeordnetenhaus würdigte gestern den 65. Jahrestag mit einer Festveranstaltung. Es hatte bereits am Donnerstag mit der Koalitionsmehrheit beschlossen, eine Bundesratsinitiative für die Konstituierung eines Feiertages zu starten. Auch die Bundestagsfraktion DIE LINKE feierte: Im »Theater an der Parkaue« in Berlin-Lichtenberg wurde gemeinsam mit Botschaftsvertretern der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Russlands der Tag der Befreiung begangen. Auch das passt zum Jubiläum: Auf dem Nöldnerplatz in Lichtenberg wurde eine Gedenkstele für den Widerstandskämpfer eingeweiht, für den Bürgerinnen und Bürger gespendet hatten. Eine Aktion, bei der LINKE große Initiative gezeigt hatten.

Am heutigen Sonnabend dann die LINKE KINONACHT im Kino Babylon, getragen von Bundes-, Landes- und Bezirksverband Mitte, in deren Mittelpunkt ebenfalls der Tag der Befreiung steht. Filme, Lesungen, Konzerte – in sehr lockerer Atmosphäre feiern Viele, die das unterhaltsame Würdigen des Jubiläums vorziehen. Horst Evers, Jochen Distelmeyer, der »singende Tresen« mit Markus Liske, Karsten Krampitz und anderen sorgten für die nötige Spannung, die lange Nacht der »Vier Panzersoldaten und ein Hund« zog viele Menschen an. Wie sicherlich auch am morgigen Sonntag beim Fest im Treptower Park, organisiert vom BdA und anderen AktivistInnen, viele sein werden.

Kommentare und Einschätzungen habe ich dieser Tage von »Meinungsmachern« aus Feuilleton und Politik gehört: von der Ambivalenz und schweren Fassbarkeit des 8. Mais. Angesichts der vielen, auch bitteren Erfahrungen, die sich mit der Kapitulation Nazideutschlands und dem Kriegsende für viele Menschen verbinden, sei es geboten, zu differenzieren, zu verkomplizieren und zu vereinfachen zugleich. Sicher, die Erfahrungen, die viele Einzelne mit dem 8. Mai 1945 verbinden, müssen ambivalent sein. Es war das Ende eines grauenvollen Krieges, der ganz Europa überzogen hat. Angesichts des Endes einer grauenvollen Herrenmenschenideologie, die aller Humanität spottete, kann aber letztendlich und bei aller Abwägerei kein Zweifel bestehen: Der Tag der Befreiung ist ein Anlass zum feiern!

Im Abgeordnetenhaus
Ehrenmal Schönholz