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15. Februar 2010

20 Jahre plus 5 – der Jüdische Kulturverein

Im Gespräch mit Dr. Irene Runge

Im Salon Cuba Klassik in der Leipziger Straße 61 ist die Atmosphäre sehr heimelig. Genau richtig also, um ein wenig in der jüngeren Historie zu stöbern und den Gedanken etwas freieren Lauf zu lassen.

Heute befragte ich die langjährige Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins (JKV), Dr. Irene Runge, über die vergangenen 25 Jahre interkultureller Arbeit. 1986 ergriff Irene Runge die Initiative, in der DDR-Hauptstadt säkulare Jüdinnen und Juden zu versammeln. Damals ging es vorerst um die Suche nach dem »eigenen Jüdischen«, nach teilweise verschütteten Wurzeln und Traditionen. Lange war das für Irene Runge kein Thema.

»Meine jüdische Identität hat mich lange nicht interessiert. Ich wollte eher so sein wie die anderen Kinder.« Spätestens nach einem Besuch in ihrer Geburtsstadt New York, in die ihre Eltern in den 1930er Jahren emigriert waren, war der Drang groß, etwas anzupacken. Mit Erfolg, betrachtet man die weitere Geschichte dieser Initiative. 1989 wurde dann aus der Gruppe »Wir für uns – Juden für Juden« der Jüdische Kulturverein, der sich am Runden Tisch der DDR im Februar 1990 für die Möglichkeit der Einwanderung sowjetischer Jüdinnen und Juden nach Deutschland einsetzte, später viel Engagement in die Integrationsarbeit und die interkulturelle Arbeit steckte.

Inzwischen hat der JKV seine Arbeit eingestellt. Das Buch »WIR« legt Zeugnis ab von ca. 4.000 Veranstaltungen, ein reges Vereinsleben mit sehr unterschiedlichen Facetten – und es zeigt, was bleibt und auch zukünftig Herausforderung sein wird. Auch das heutige jüdische Leben in Berlin in all seiner Vielfalt war Gesprächsgegenstand, Antisemitismus und Ressentiments wurden thematisiert.

Besondere Umrahmung fand dieser unterhaltsame wie lehrreiche Abend durch die Macher von Cuba Klassik, die Pianistin Almuth Kraußer-Vistel und den Cellisten Douglas Vistel. Sie begleiteten nicht nur von Mendelssohn bis Barber, sondern sorgten für Tee und andere Getränke und die richtige Atmosphäre für den Austausch »neben« dem Gespräch. Bis zum nächsten Mal bei Cuba Klassik!

Klaus Lederer

Fotos: Igor Chalmiev