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9. Februar 2010

Ehrung zum 80. Todestag von Paul Levi

DIE LINKE. Berlin auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf

DIE LINKE. Berlin ehrte heute anlässlich seines 80. Todestages den Rechtsanwalt, Mitbegründer und zeitweiligen Vorsitzenden der KPD, Paul Levi, an seiner Grabstätte auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf bei Potsdam.

Levi war Zeit seines Lebens der Arbeiterbewegung und den Ideen sozialistischen Denkens verbunden. Er war Vertrauter Rosa Luxemburgs, 1914 ihr politischer Strafverteidiger im Kampf gegen den deutschen Militarismus, Herausgeber ihrer Schriften. Als KPD-Vorsitzender wandte sich Levi im Jahr 1920 gegen die durch Lenin und Trotzki angeordnete Wendung der KPD hin zur aggressiv-revolutionären Putsch-Strategie in der Weimarer Republik, die zu diesem Zeitpunkt nicht nur auf einer völligen Fehleinschätzung der realen Verhältnisse im Land beruhte, sondern gleichermaßen der Einstieg der KPD in eine zunehmende Orthodoxie und Dogmatisierung darstellte, die später in ihre Stalinisierung mündete. Zunehmend isoliert und wegen seiner Angriffe auf die Strategie der KPD wurde Paul Levi 1921 aus der Partei ausgeschlossen. Über die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft im Reichstag und über die USPD führte der Weg Levis zurück in die SPD, in der er als Protagonist des linken Flügels agierte und sich gegen Feme und Todesstrafe wandte.

Als Paul Levi, eine der beeindruckendsten Personlichkeiten der sozialistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts, am 9. Februar 1930 ums Leben kam, erhob sich der Reichstag zu einer Gedenkminute zu Ehren seines langjährigen Mitglieds. Zwei Fraktionen verließen den Saal: Die Nazis und die kommunistische Reichstagsfraktion. Levis Andenken würdigte Carl von Ossietzky in einem Nachruf in der »Weltbühne« mit folgenden Zeilen: »Die Kommunisten taten Unrecht, ihn einen Abtrünnigen zu nennen, die Sozialisten, ihn einen Bekehrten zu nennen. Er war ein internationaler revolutionärer Sozialist aus Rosa Luxemburgs Schule, hat es nie verleugnet. Er brachte in den Schrebergarten der Reichstagsfraktion ein Fünkchen Moskauer Fegefeuer, den Brandgeruch der Oktoberrevolution. Levi wollte immer der Wahrheit zum Siege verhelfen, nicht einer juristischen Konstruktion. Er war eine eigene Macht, mit seinen Widersprüchen und Irrtümern, seine eigene Fahne, und diese Fahne ist gesunken.«

Das Vermächtnis Paul Levis gehört zum Erbe der neuen Linken.

Klaus Lederer