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16. Mai 2013Occupy Barbie Dreamhouse

Für Kindheit ohne Rollenklischees

Am heutigen Donnerstag demonstrierten einige hundert junge Menschen, vor allem Frauen, unter dem Motto »Occupy Barbie Dreamhouse« am Berliner Alexanderplatz. Ausgehend von einer Initiative der Linksjugend wurde gegen Schönheitswahl, Rollenklischees und Sexismus protestiert. Der Protest richtet sich gegen das in Mitte aufgebaute überdimensionierte Barbie-Dreamhouse, in dem Kinder in pink-goldener Umgebung das schöne und unbeschwerte Leben der berühmten Barbie-Puppe erlebbar gemacht werden soll. 

Unser für Gleichsstellungspolitik beauftrages Mitglied des Landesvorstandes, Antje Schiwatschev, hielt auf der Demonstration einen kurzen Redebeitrag, den wir hier dokumentieren:

Ich stehe hier nicht, um gegen Einkaufsfreuden und Geschenke zu wettern. Ich will niemandem verbieten, seiner Tochter oder seinem Sohn eine Barbie zu kaufen. Sie alle sind kluge und verantwortungsvolle Eltern.

Sie wissen was sie tun, wenn sie ihren Töchtern und vielleicht auch Söhnen, eine Puppe schenken, die voller Kulturgeschichte steckt und vielleicht auch irgendwie Kult ist.

Immerhin hat Barbie ja eine durchaus interessante Vergangenheit. Im Gegenzug zu heute war sie anfangs durchaus emanzipiert, etwa 1965 als Astronautin oder 1989 sogar als Unicef- Botschafterin. Doch halten wir fest, Barbie ist eine Puppe. Ihre Maße eignen sich vielleicht, um sie mit lustigen Klamotten zu behängen und das Vergnügen am Verkleiden auszuprobieren, jedoch nicht um ihr nachzueifern.

Silke Burmester schrieb am Dienstag in einer Spiegelkolumne »Dass Barbie mit ihrem rattenscharfen Phantasiekörper, wäre sie eine reale Person, vom Hungertod bedroht wäre, schlecht Luft bekäme, höchstwahrscheinlich unfruchtbar wäre und unter Osteoporose litte, weil ihr anormaler Körper nicht genügend Hormone produzieren könnte, dass sie vermutlich zu Bandscheibenvorfällen und Arthrose neigen würde, kann einem Kind egal sein, die Probleme kommen ja erst später. Wichtig ist doch nur, dass die Mädchen früh lernen, eine richtige Frau zu sein.«

Und wenn es sicher auch nicht alleinig entscheidend für die Entwicklung einer jeden und eines jeden ist. so ist es doch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es einen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Normen und deren Vermittlung durch Spielzeug gibt.

In einer Studie der University of Sussex aus dem Jahr 2006 zufolge sollen Mädchen, die mit Barbies spielen, mit dem eigenen Körper weniger zufrieden sein als ihre Altersgenossinnen, die dies nicht tun. Das daraufhin nicht selten Formen der Magersucht folgen ist ja auch weithin bekannt.

Mein Wunsch ist, das es Normalität wird, dass Kinder fern von Rollenklischees spielen und sich frei von Geschlechterrollen und Schönheitsidealen entwickeln können, um ihnen somit die größtmögliche individuelle Entfaltung zu ermöglichen.