Zurück zur Startseite
Flash is required!
14. Februar 2013

Polizei setzt Zwangsräumung in der Lausitzer Straße durch

Donnerstag morgen 7 Uhr: Schon jetzt stehen hunderte von Menschen auf beiden Seiten der abgeriegelten Lausitzer Straße in Kreuzberg, vor dem Wohnhaus der Familie Gülbol und vor der Wiener Straße 13. Über deren Höfe ist der Seitenflügel, in dem die Familie ihre Wohnung hat, erreichbar. Sie wollen eines erreichen: die Zwangsräumung der Familie Gülbol verhindern. Sie hat ihre Mietschulden längst beglichen. Der Gerichtsweg ist noch nicht ausgeschöpft. Dennoch besteht der Vermieter darauf, dass die Wohnung geräumt wird. 

8 Uhr: immer mehr Leute versammeln sich, skandieren laut. Ton, Steine, Scherben erklingen "Das ist unser Haus".

Die Polizei fordert die vor der Lausitzer Straße 8 Versammelten auf, die Straße zu räumen. Einmal, zweimal.... Pause. Die ersten beginnen Fußball zu spielen, um sich die Kälte aus den Knochen zu treiben. 

Die Polizei fordert ein drittes mal auf. Da gibt es Bewegung vor der Wiener Straße 13. Hakan Tas, partizipationspolitischer Sprecher der Linksfraktion, hatte sich unterdessen bis zur Wohnung der Gülbols vorgearbeitet und wartete mit ihnen auf die Gerichtsvollzieherin.

9 Uhr: Die Gerichtsvollzieherin ist da, getarnt durch Polizeikleidung und lässt sich die Wohnung übergeben. Die Familie ist jetzt wohnungslos. 

Die BlockadeteilnehmerInnen sind wütend: Wen wird es als nächstes treffen? Eine alte Frau ist verzweifelt angesichts der massiven Polizeipräsenz und der faktischen Machtlosigkeit der GegendemonstrantInnen. Ihr ist die Zwangsräumung auch schon angekündigt.

Dennoch: dass sich heute morgen so viele Leute beteiligt haben ist ein gutes Zeichen. Sie sind nicht länger bereit , die Vertreibung von Menschen mit geringen Einkommen aus ihrer Nachbarschaft tatenlos hinzunehmen. Wir werden immer wieder kommen, bis auch der letzte Vermieter und der Senat begriffen haben, dass Zwangsräumungen sich nicht lohnen und den Zusammenhalt in den Kiezen zerstören.

Text und Fotos: Katina Schubert