Zurück zur Startseite
4. November 2014

25 Jahre nach der 4.-November Demo Stefan-Heym-Platz eingeweiht

Heute vor 25 Jahren demonstrierten hunderttausende auf dem Alex für eine demokratische Erneuerung der DDR. Stefan Heym war neben Gregor Gysi, Lothar Bisky, Steffi Spira und vielen anderen einer der Redner*innen. Er plädierte leidenschaftlich dafür, einen demokratischen Sozialismus zu schaffen, der Herrschaft des Volkes Geltung zu verschaffen.

Stefan Heym ist einen schweren Gang gegangen. Als Jude von den Nazis verfolgt, emigrierte er in die USA, kam als US-Soldat im zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück und half bei der Befreiung vom Faschismus. Wegen seiner prosowjetischen Haltung zurück in die USA versetzt, verließ er die Armee und arbeitete weiter als Journalist und freier Schriftsteller. Doch die Kommunistenhysterie der McCarthy-Ära in den USA ließ ihm keine Luft zum atmen und er emigrierte erneut und ging zunächst nach Prag, dann in die DDR. Und wieder geriet er mit den Mächtigen in Konflikt. Er unterstützte die Bürgerrechtsbewegung nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann, wurde aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, konnte nur noch im Westen publizieren. Doch er blieb demokratischer Sozialist. Die Art der Vereinigung von DDR und Bundesrepublik stieß auf seine Kritik und 1994 kandidierte er für die PDS hier in Berlin-Mitte-Prenzlauer Berg für den Bundestag. Er gewann das Mandat und wurde Alterspräsident des Deutschen Bundestages. Die CDU verweigerte ihm damals den Respekt, ein Tiefpunkt deutscher Parlamentsgeschichte.

Heute wurde Stefan Heym zu Ehren ein Platz eingeweiht. Die BVV Lichtenberg hat die Freifläche an der Ecke Frankfurter Allee/Möllendorff-Straße auf Initiative der Linksfraktion mit einstimmigen Beschluss nach ihm benannt. Inge Heym, die Witwe Stefan Heyms, sagte in ihrer Rede: "Es ist wie ein Traum.... Wenn man Stefan gesagt hätte, dass in Berlin einst ein Platz nach ihm benannt wird, er hätte es nicht geglaubt. Im Gegenteil: Stefan hätte das als Scherz angesehen und lächelnd abgelehnt. Er hätte gesagt: Sie sollen meine Bücher lesen.“ Jürgen Hofmann zeichnete Stefan Heyms Lebensweg nach und der Lichtenberger Bürgermeister Andreas Geisel würdigte Stefan Heym als großen Schriftsteller und Kämpfer für Demokratie bei allen Differenzen. Es war eine sehr schöne Einweihung. Der Dank geht an den Bezirk Lichtenberg und DIE LINKE, die diese Platzbenennung initiiert hat. 

Katina Schubert