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8. Mai 2008Klaus Lederer

Israel braucht Frieden. Seine Nachbarn und die Welt auch.

Gedanken zu einem besonderen Jubiläum
von Klaus Lederer, Landesvorsitzender DIE LINKE. Berlin

Israel feiert seinen 60. Geburtstag.

Seine Bürgerinnen und Bürger werden ihre Nationalhymne, das »Lied der Hoffnung«, anstimmen, einige Minuten innehalten und ihrer Toten gedenken, über das Gestern und Heute, über ihre Freuden und Sorgen reden und sich Glück wünschen.

»Mazel Tov!« Herzlichen Glückwunsch auch von der Berliner LINKEN. Ich wünsche den Bürgerinnen und Bürgern Israels, aber ebenso Palästinas und der anderen Staaten im Nahen Osten Frieden, die Erfüllung ihrer Hoffnungen auf Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben, auf Gesundheit und Glück.

Das offizielle Berlin, Vereine und Initiativen, Freundinnen und Freunde Israels begehen dieses Jubiläum mit vielfältigen Ausstellungen, Konferenzen, Konzerten, politischen Ratschlägen, Rückblicken. Denn Israel ist ein normaler Staat und doch kein Staat wie jeder andere.

Wenn ich an Israel denke, dann sehe ich vor allem die Bilder von Auschwitz vor mir. Arnold Zweig und Lea Grundig fanden Unterschlupf in Palästina. Den Überlebenden des Holocausts war der neue Staat Zufluchtsort.

Die systematische, fabrikmäßige Vernichtung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden war ein unvergleichliches Verbrechen, das die besondere Haltung auch der deutschen Linken zu Israel bestimmt. Das Versprechen der Antifaschisten »Nie wieder!« ist ein anderes Credo als die von Springer-Chef Mathias Döpfner propagierten Alternativen Altruismus oder Egoismus. Die Linken sind kompromisslose Gegner von Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus. Das bleibt auch so.

Wenn ich an Israel denke, dann habe ich die von Schalom Achschaw organisierte Friedenskundgebung mit Jizchak Rabin am 4. November 1995 in Tel Aviv in Erinnerung und den Schock der Hunderttausende über dessen Ermordung. Und die Bilder der sich wiederholenden Friedensanläufe, der Terroranschläge und Raketenüberfälle und natürlich die jüngsten Bilder aus Gaza. 60 Jahre Israel, das sind auch 60 Jahre Nicht-Frieden.

Der Historiker Tom Segev nennt sein Land deshalb wohl auch »ein Experiment... , das noch nicht gelungen und noch nicht gescheitert ist«. Israel braucht Frieden, damit es gelingt. Seine Nachbarn und die Welt auch.