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11. April 2013Klaus Lederer

150 Jahre Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung

Klaus Lederer, Anni Seidl, Jürgen Hofmann, Reinhard RürupPodiumBegrüßungRosa-Luxemburg-Saal im Karl-Liebknecht-Haus

Podiumsgespräch im Karl-Liebknecht-Haus

Es war nicht aller Tradition Anfang – sozialistisches Denken ist weit älter als 150 Jahre. Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter Vereins (ADAV) im Mai 1863 aber konstituierte sich in Deutschland die Arbeiterbewegung als eigenständig organisierte politische Kraft. Mit anderen Worten: Jenseits des liberalen Bürgertums mit seinen spezifischen Interessen trat die Arbeiterklasse in Form einer Partei in die politische Arena.

Grund genug für DIE LINKE. Berlin, jenseits der zahlreichen Veranstaltungen in diesen Tagen, die nicht selten historisch sehr verkürzend und politisch zweifelhaft „150 Jahre SPD“ als ungebrochene Erfolgsgeschichte würdigen, zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Historischen Kommissionen der SPD, Prof. Reinhard Rürup, und der LINKEN, Prof. Jürgen Hofmann, würdigten wir ein großes Datum, diskutierten über gemeinsame Traditionslinien und trennende Sichten, über das historische Erbe beider Parteien und der deutschen Linken insgesamt.

Unsere Diskussion geriet zu einem Kurzdurchlauf durch die jüngere deutsche Geschichte: die Rolle Ferdinand Lassalles, die Zeit der Sozialistengesetze, 1. Weltkrieg und Novemberrevolution, Spaltung und Kalter Krieg, Schröder-Blair-Papier und Agenda 2010, Gründung der LINKEN, Einigendes und Differenzen. Trotz des Mottos des ADAV »Einigkeit macht stark!« war eine einheitlich organisierte Arbeiterbewegung eher die Ausnahme als die Regel. Die Ausdifferenzierung der Linken in Strömungen und Traditionslinien widerspiegelt auch die Bewegung, die in der gesellschaftlichen Entwicklung liegt, die Widersprüche und Konflikte, die es zu bewältigen gibt.

Und so erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen spannenden Diskussionsabend unter der Moderation unseres Landesvorstandsmitglieds Prof. Anni Seidl, in der es galt, die Lehren aus den historischen Umbrüchen nicht zu vergessen. Das Erbe der Arbeiterbewegung ist vielfältig und in sich sehr widersprüchlich. Bei allem Trennenden, so das Fazit, bleiben viele wichtige Aufgaben, die nur gemeinsam zu bewältigen sein werden. Dass es Vorbehalte und tief sitzende Verletzungen gibt, sollte daher nicht Sprachlosigkeit und Feindschaft nach sich ziehen. Produktiver Streit und gemeinsames Lernen sind und bleiben wichtig. Dafür konnten wir mit unserer Veranstaltung einen kleinen Beitrag leisten.