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18. März 2010Klaus Lederer

Märzgedenken am Volkspark Friedrichshain

Für demokratische Tradition und revolutionären Geist

Der Friedhof der Märzgefallenen – im Volkspark Friedrichshain, nahe dem Klinikum – ist ein geschichtsträchtiger Gedenkort für die Würdigung der Bürgerrechts- und Freiheitstraditionen, die sich mit dem Datum des 18. März 1848 verbinden. Jährlich treffen sich dort Berlinerinnen und Berliner, aus freien Stücken, nicht im Rahmen der typischen Gedenkrituale, um miteinander zu singen, Blumen niederzulegen und an den März des Revolutionsjahrs '48 zu erinnern.

Auch 2010 war das so. Anders als im vergangenen Jahr drohten aber weder Schauer noch wurde vor Kälte gezittert. Die Sonne schien, der Frühling hatte den Friedhof mit hunderten bunten Krokussen »begärtnert« und die Stimmung war geradezu volksfestlich, als Volker Schröder, der Initiator der »Aktion 18. März« die Veranstaltung anmoderierte. Es sprachen Susanne Kitschun vom Paul-Singer-Verein, die dänische Staatsbürgerin Kirsten Hoffmann und ich. Musikalisch unterstützt wurde das Treffen – ebenfalls schon traditionell – vom Erich-Fried-Chor mit Andreas Bunckenburg.

Inzwischen tut sich einiges auf dem Friedhof. Das Bestreben, ihn zu einem der großen Gedenkorte unseres Landes zu machen, hat einiges bewirkt. Mit der »maerz_baustelle« wird dort ab Herbst zunächst eine temporäre Ausstellung errichtet werden. Diese Initiative wird aus Berliner Lottomitteln gefördert. Aber bis der 18. März ein Gedenktag wird und der Friedhof der Märzgefallenen zu seinem Recht kommt, ist noch viel zu tun. Deshalb ist es weiterhin wichtig, sich zu engagieren. Das Gedenken an die 183 Toten des 18. März gehört dazu.

Debatten der Erinnerungskultur machen auch die Ambivalenz der Geschichtsverläufe deutlich, daraus werden Identitäten bezogen und konstruiert. Das Jahr 1848 steht genauso für politische Freiheit, für den klassen- und standesübergreifenden Kampf für Bürger- und Menschenrechte und für Demokratie – wie es für das Versagen des deutschen Bürgertums steht, für die fehlgeschlagene Nationalstaatsbildung Deutschlands, die später als zutiefst reaktionäres »Projekt« von oben verwirklicht worden ist. Mit verheerenden Folgen. Daraus folgt auch, dass die Freiheitstraditionen des 18. März verschiedenste Ideenhorizonte umfasst – von konservativen über liberale bis hin zu sozialdemokratischen und sozialistischen Ideen. Moderne Bürgerrechtsbewegungen beziehen sich ebenfalls auf sie.

Meine Beweggründe für die Teilnahme am Märzgedenken sind nicht zuletzt aktueller Natur. Der Kampf gegen Überwachungsstaatlichkeit, die Sicherung gleichberechtigten Zugangs zu Informationen, die jede und jeder braucht, um sich in die politischen Prozesse in unserem Land einzumischen, der Kampf für mehr direkte Demokratie und für die Universalisierung von Bürger- zu Menschenrechten, die Schaffung von Transparenz – vor allem aber die Einlösung des Emazipationsversprechens des Bürgertums, die immer noch der Verwirklichung harrt:
Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – für eine Gesellschaft Aller!