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17. Dezember 2013Klaus Lederer

»Ich kam als Gast in euer Land gereist…«

Ausstellung und Gedenktafel für Hitlergegner als Opfer des Stalinterrors

»Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System« hieß es auf dem Außerordentlichen Parteitag der SED/PDS 1989. Doch noch 24 Jahre sollten vergehen, bis am Karl-Liebknecht-Haus, der früheren KPD-Parteizentrale, jetzt LINKE-Parteivorstand, eine Tafel zum ehrenden Gedenken an die Kommunistinnen und Kommunisten mahnt, die emigriert in die Fänge des NKWD gerieten, in Zwangslager verschleppt, gedemütigt, entrechtet, ermordet wurden. Heute wurde die Einweihung dieser Gedenktafel von unserer Vorsitzenden Katja Kipping und unserem Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn vollzogen. Begleitet wurde diese Enthüllung durch bewegende Worte von Ursula Schwarz, die Familienangehörige im stalinistischen Terror in Sowjetrussland verlor. Viele Genossinnen und Genossen waren dabei, hörten zu, ehrten auf ihre ganz eigene Weise. Plastisch wird der Terror, dem auch unzählige deutsche Kommunistinnen und Kommunisten zum Opfer fielen, in der Ausstellung »Ich kam als Gast in euer Land gereist…«, die bis Ende Januar im Karl-Liebknecht-Haus besichtigt werden kann. Die Ausstellung wie die Anbringung der Tafel verdanken sich dem Engagement des Arbeitskreises »Gedenken an die in der sowjetischen Emigration verfolgten, deportierten und ermordeten deutschen Antifaschisten« unter dem Dach der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten. Überlebende und Nachkommen von in der UdSSR verfolgten Antifaschistinnen und Antifaschisten, deren Freundinnen und Freunde sowie Historikerinnen und Historiker haben sich dieser Geschichte angenommen. Thematische Tafeln und Tafeln mit Familienschicksalen ermöglichen einen bewegenden Einblick zu Lebenswegen und zur grauenhaften Hinterlassenschaft des stalinistischen Terrors.

Für uns, den Berliner Landesverband der Partei DIE LINKE, war die Wahrnehmung der eigenen historischen Vergangenheit immer ein zentraler Aspekt des eigenen Geschichtsverständnisses. Ohne die Wahrnehmung dieser Verantwortung kann es keinen glaubwürdigen Einsatz für demokratischen Sozialismus geben. In diesem Sinne haben wir uns auch für dieses Denkzeichen eingesetzt. Und ich bin sehr froh, dass es nach langen Debatten am Schluss doch eine klare und deutliche Entscheidung des Parteivorstands zur Anbringung der Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus gegeben hat. Mit der feierlichen Einweihung am heutigen Tag ist für uns, für mich, ein wichtiger Akt vollzogen worden. Gedenken wir nicht nur mit Ritualen. Denken wir hin und wieder an eine Rose, eine Nelke, denen gewidmet, die ihr Leben gegeben haben als Streiterinnen und Streiter für eine bessere Welt – als Opfer eines Regimes, das vorgab, dadurch eine gerechtere, demokratischere, sozialere Gesellschaft errichten zu wollen, und Hunderttausende ermordete.