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9. Juni 2012Berlin-Konferenz

Workshop 4

Bildung schafft Zukunft!

Wie können wir die sozialen Schranken im Bildungswesen abbauen? Wie können wir erreichen, dass niemand von der »Wissensgesellschaft« abgehängt wird und alle ihr Können und Wissen entfalten können unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Gesundheitszustand?

Bildung gestaltet die zukünftige Gesellschaft mit – Kultur, Demokratie, Ökonomie. Berlin altert und verjüngt sich zugleich. Welchen Herausforderungen müssen wir begegnen, um allen jungen Menschen gleiche Chancen in ihrer Lebensgestaltung zu eröffnen?

Es müssen mehrere Aufgaben bewältigt werden:

  • Das historische Erbe der »Frontstadt Berlin« mit der damaligen Förderung als Industriestandort besteht noch immer in einer hohen Arbeitslosenquote aufgrund der Schließung vieler Industriebetriebe. Insbesondere in den westlichen Stadtteilen wohnten und leben noch heute viele sogenannte bildungsferne Haushalte, deren Mitglieder inländischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund als ungelernte Industriearbeiter tätig waren. Bei bundesweiter Abnahme von niedrig qualifizierten Arbeitsmöglichkeiten in Industrie und Handwerk wird der Bedarf an diesen Arbeitskräften jährlich weniger, so dass für sie auch ein Verlassen der Stadt keine Verbesserung der Chancen mit sich brächte.
  • Von der Risikolage bildungsferner Elternhäuser sind 21% der Berliner Kinder betroffen. Ihr Risiko, keinen Schulabschluss zu erreichen, ist um ein mehrfaches höher als der anderen Kinder. Bildungsarmut geht oft mit realer Armut einher. 36 % der Kinder in Berlin lebt in Armut, seit 2007 mit steigender Tendenz.
  • Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund wächst in Berlin und im gesamten Bundesgebiet, in Berlin beträgt er durchschnittlich bei den unter 6-jährigen 43%. Hierbei erstreckt sich die Schwankungsbreite von 15,5 % in Treptow-Köpenick bis 68,6 % in Berlin Mitte. Dies stellt die frühkindliche und schulische Sprachförderung vor besondere Herausforderungen, die in der Zukunft nicht weniger werden.
  • Die regionale Verdichtung von Bildungsferne in einzelnen Stadtquartieren, unterstützt durch die Separierung der Schüler in verschiedene Schultypen erschwert bzw. verhindert die Etablierung wirksamer Maßnahmen zur Durchbrechung des Teufelskreises von Bildungsversagen und Armut. Auch die sozialpädagogische Begleitung in der Schulsozialarbeit schafft es bestenfalls den am schwersten betroffenen Kindern und Jugendlichen Auswege anzubieten.
  • Eine neue Herausforderung wird die Einführung der inklusiven Schule, d.h. der Zusammenführung von Kindern, die bisher in Förderschulen separiert wurden mit den Kindern in den Regelschulen. Studien haben bestätigt, dass sich hierbei alle gut entwickeln, wenn die Lernumgebung hierfür gestaltet wird. Es gibt jedoch Widerstände bei den LehrerInnen und den Eltern, die es zu überwinden gilt.
  • In der beruflichen Ausbildung drängen vermehrt SchulabgängerInnen mit Hochschulreife in die dualen Ausbildungsberufe und verstärken dadurch die Benachteiligung von niedrigen Schulabschlüssen. Für junge Frauen ist es trotz überdurchschnittlicher Schulleistungen wegen der Beschränkung auf wenige Ausbildungsberufe weitaus schwieriger, einen Einstieg in das Berufsleben zu finden, als ihre männlichen Mitbewerber. Sie weichen besonders häufig auf schulische Ausbildungsgänge zu medizinischen, und kaufmännischen Berufen aus.
  • Berlin ist und bleibt ein Magnet für junge Menschen, die studieren wollen. Die Zahl der StudienanfängerInnen nimmt an Berliner Hochschulen weiterhin stark zu, von 19.000 im Jahr 2005 auf 26.000 in 2009. Zeitgleich erfolgte die Umsetzung des Bologna-Prozesses mit den neuen kürzeren Studiengängen.

Damit Bildung Zukunft schaffen kann, wollen wir folgende Fragen bearbeiten:

  • Wie muss ein Bildungssystem gestaltet werden, das in einer Stadt mit starken sozialen und räumlichen Desintegrationsprozessen einen integrativen Impuls setzt? Welche spezifische Rolle spielt dabei der frühkindliche Bildungsbereich? Welche Rolle spielen etwa private und freie Bildungsträger?
  • Welche Voraussetzungen im vorschulischen, schulischen und hochschulischen Bereich sind notwendig, um die Chancen von Multikulturalität und Mehrsprachigkeit für die Entwicklung junger Menschen zu nutzen?
  • Welche Unterstützung brauchen Eltern von leistungsschwachen bzw. erziehungsschwierigen Kindern und Jugendlichen? Ist das vorhandene Angebot ausreichend?
  • Wie können höhere Bildungsgänge und Hochschulen geöffnet werden, um Zugang für möglichst viele jenseits von Bildungsbarrieren zu schaffen? Wie können Hochschulen so gestaltet werden, dass Forschung und Lehre nicht nur überregional Wirkung zeigen, sondern auch einen Mehrwert für die Stadtgesellschaft bieten?